Ayurveda: indische Heilkunst mit Tradition

Traditionelle Heilkunst? Ist das heutzutage überhaupt noch aktuell? Durchaus! Der Ayurveda ist aktueller denn je: nahezu alle Erkrankungen lassen sich nach logischen Gesichtspunkten gliedern und es ist möglich viele Erkrankungen zu lindern oder gar zu heilen. Mittlerweile ist der Ayurveda sogar von der Weltgesundheits-Organisation, der WHO, anerkannt und wird im asiatischen Raum gleichberechtigt neben der Schulmedizin praktiziert. Man kann dort sogar Ayurveda-Medizin an der Universität studieren. Beeindruckend, finden Sie nicht auch? Folgender Beitrag soll Ihnen einen Einblick in den Ayurveda geben. Erfahren Sie alles über die Wurzeln, die Ansätze und Grundlagen dieser traditionell indischen Medizin (TIM).

Ayurveda: indische Heilkunst mit Tradition

Grundlagen des Ayurveda

Leben bedeutet stetige Veränderung. Es gibt nie Stillstand. Die Entwicklung aller Lebewesen, die Evolution, passiert aus ayurvedischer Sicht durch sich ständig verändernde Kombinationen der fünf Elemente. Die fünf Elemente lassen sich in allen materiellen Dingen wiederfinden. Folgende Tabelle zeigt Ihnen die fünf Elemente und deren Wirkprinzipien:

Ayurvedisches Element Wirkprinzip
Erde Masse, Substanz, Stabilität
Feuer Umwandelnde Energie
Wasser Anziehungskraft und Flüssigkeit
Luft Beweglichkeit
Himmel Freier Raum

Das Wunderwerk Mensch kann nur funktionieren, wenn Körper, Geist, Sinne & Emotionen aufeinander abgestimmt sind. Es ist ein stetiges Zusammenspiel, das von den drei Bioenergien, den doshas, reguliert wird. Die doshas setzen sich aus den beschriebenen fünf Elementen zusammen:

Bioenergie – dosha Elemente Aufgaben Eigenschaften
vata Himmel und Luft Bewegung, Kontrolle, Taktung, Impulse Leicht, trocken, kalt, beweglich, klar, rau, fein
pitta Feuer und ein bisschen Wasser Stoffwechsel, Verdauung, Umwandlung, Färbung Heiß, leicht fettig, flüssig, sauer, beweglich, scharf, durchdringend
kapha Wasser und Erde Kühlung, Körpermasse, Stabilität Schwer, kalt, fettig, weich, süß, unbeweglich, schleimig

Die drei doshas befinden sich im gesunden Menschen im Gleichgewicht und kontrollieren sich ständig gegenseitig. Tanzt nur ein dosha aus der Reihe nimmt das Einfluss auf alle körperlichen Abläufe und kann den Körper sogar zerstören. Gesundheit resultiert aus der Harmonie der drei doshas.

Ein Ungleichgewicht zwischen den drei doshas führt zu Erkrankungen!

Jeder Mensch hat aber ein individuelles, für ihn richtiges Gleichgewicht der drei Bioenergien. Wie diese persönliche Balance aussieht, d. h. bei welchen Verhältnissen der Mensch gesund ist, wird bereits im Mutterleib festgelegt. Man spricht von der körperlichen Konstitution. Es gibt in der Ayurveda keine abgesteckten Normen.

Lassen Sie uns zusammen die drei Bioenergien etwas näher betrachten, um auch die späteren Therapieansätze der Ayurveda besser verstehen zu können: Wo sitzt die Energie? Mit welchen Symptome steht eine Störung in Zusammenhang? Folgende Tabelle verrät es Ihnen:

dosha Ort und Entstehung Symptome einer Störung
vata Dickdarm Verstopfung, Blähungen, unregelmäßiger Stuhl, Unruhe, Schlaflosigkeit
pitta Oberbauch Fieber, Brennen, Entzündung, Blutung und Rötung, Wut, Ärger
kapha Brustraum Schwellung, Verdickung, Jucken, Ödeme, Schwere, Nässe, Verschleimung

Die Ayurveda-Medizin nimmt Bezug auf energetische Systeme. Aber diese Energie hat auch verschiedene Wirkungsorte: die sieben Grundgewebearten. Die drei doshas wirken auf die ansonsten unbewegten Gewebe ein und bringen sie dazu ihre Funktionen auszuüben. Man ist nur dann gesund, wenn das Verhältnis und die Eigenschaften der Gewebe stimmt und sie ihre Aufgaben erfüllen können. Folgende Gewebearten gibt es laut Definition im Ayurveda:

  • “Blut”: rote Körperflüssigkeiten
  • “Plasma”: klare Körperflüssigkeiten
  • “Fett”: weiches Bindegewebe
  • “Knochen”: hartes Bindegewebe
  • “Mark”: Nervengewebe oder Knochenmark
  • “Samen”: genetisches Gewebe

Die Gewebe sind untereinander über Kanäle und spezielle Systeme miteinander verbunden, die den kompletten Körper durchziehen. Dieses Biokanalsystem (srotamsi) ermöglicht den selektiven Austausch von Stoffen und Informationen. Durch die srotamsi fließt die Lebensenergie, Blut und Plasma. Natürlich wird von den Geweben auch zellulärer Abfall produziert. Die Abfallprodukte werden in Form von Schweiß, Stuhl und Urin ausgeschieden. Im Ayurveda werden sie malas genannt. Die Balance des Stoffwechsels (agni) und der Ausscheidungsprodukte ist für die Gesundheit von zentraler Bedeutung.

Ist der Stoffwechsel gestört entstehen Schlackenstoffe (ama), die durch den Körper zirkulieren. Sie sind sehr klebrig und heften sich an die Biokanäle, was logischerweise zu Blockaden der srotamsi führt. Gewebe können nicht mehr ausreichend mit den doshas versorgt und ernährt werden. Sie verlieren ihre Funktion und Krankheiten entstehen. Wenn Sie mehr über das Grundgewebe wissen wollen und welch enorm wichtige Rolle es auch in der Biologischen Medizin spielt, dann lesen Sie doch den Beitrag “Das Grundgewebe: Drehscheibe der Kommunikation

Alle Gewebe beherbergen darüber hinaus eine wichtige “Substanz”, die für die Gesundheit unabdingbar ist: das ojas. Sie können sich das ojas wie das Immunsystem für Körper und Psyche vorstellen. Seine Aufgabe ist es die drei Bioenergien, die doshas, im Gleichgewicht zu halten. Ist genug ojas vorhanden, können Erkrankungen des Gewebes verhindert werden und wir bleiben gesund.

Wie entsteht eine Krankheit aus Sicht des Ayurveda?

Fassen wir noch einmal für Sie zusammen: Gesundheit ist aus Sicht der Ayurveda immer dann gewährleistet, wenn sich die drei Bioenergien (vata, pitta und kapha) in Balance befinden. Die drei doshas setzen sich aus den fünf Elementen Feuer, Wasser, Luft, Himmel und Erde zusammen. Das Gleichgewicht zwischen den doshas wird durch das ojas, eine Art Immunsystem, aufrecht erhalten. Sie fließen über die Biokanäle (srotamsi) in alle Bereiche des Körpers und verbinden die sieben Grundgewebearten miteinander. Als Ergebnis des Stoffwechsels (agni) entstehen auch Abfallprodukte (malas), die vom Körper kontrolliert ausgeschieden werden.

Krankheiten entstehen, wenn das Verhältnis der drei Bioenergien aus den Fugen gerät. Normalerweise kontrollieren und regulieren sie sich gegenseitig. Eine Überreizung oder dämpfende Störung einer der drei Bioenergien zieht dosha-typische Symptome nach sich, die im Zusammenhang mit den fünf Elementen stehen. Um Krankheiten abzuwehren oder auch wieder zu heilen ist es wichtig, dass das ojas stark genug ist. Es wirkt als eine Art Puffersystem und bewahrt die Balance der drei doshas. Ist es geschwächt, kommt es zur Dysbalance und Beschwerden.

Alle Körpergewebe müssen mit Energie und Nähstoffen versorgt werden. Gibt es Blockaden oder Störungen im Stoffwechsel liegt häufig ein “zu viel” von verschiedenen Abfallprodukten vor: Stoffwechselschlacken (ama) reichern sich an, verkleben die Biokanäle, die ja eigentlich die Gewebe mit wichtigen Informationen, Energie und Stoffen versorgen sollen. Es folgt eine Unterversorgung der Gewebe, sie verlieren ihre Funktion und der Körper erkrankt.

Bei welchen Krankheiten ist Ayurveda sinnvoll?

Viele chronische Erkrankungen haben mehrere Ursachen, d. h. sie sind multifaktoriell. Die Ayurveda-Medizin ist in der Lage individuelle Diagnosen zu stellen und aus verschiedenen Bausteinen die geeignete Therapie zusammenzustellen. Der Mensch wird als Ganzes betrachtet und nicht nur Symptome behandelt. Außerdem können ayurvedische Behandlungen begleitend zu anderen Therapien eingesetzt werden. Bei folgenden Beschwerden kann der Ayurveda helfen:

  • Allergien und Unverträglichkeiten
  • Verdauungsbeschwerden
  • funktionelle Störungen
  • Immunschwäche, häufige Infekte
  • Erschöpfungszustände, Depression
  • Reizzustände, Schlafstörungen
  • Stress
  • degenerative Erkrankungen
  • Migräne und Kopfschmerzen

Ayurveda und Diagnostik

Die Diagnose im Ayurveda ist nicht immer ganz einfach, denn die Störung einer Bioenergie kann verschiedene Krankheiten oder Beschwerden verursachen. Der ayurvedische Therapeut braucht für die Auswahl der richtigen Behandlung immer zwei Diagnosen: die Diagnose des Patienten und die Diagnose der Krankheit. Erinnern Sie sich: die persönliche individuelle Konstitution spielt eine wichtige Rolle. Bei jedem Menschen ist das “gesunde” Verhältnis der drei doshas anders und bereits vor Geburt festgelegt. Auch spielt es eine Rolle, wie alt der Patient ist und wie es um seine Immunkraft und den allgemeinen Stoffwechsel bestellt ist.

Bezüglich der Krankheit wird untersucht, welche der drei Bioenergien aus der Reihe tanzt und welche Gewebe betroffen sind. Ist ein Organ das Problem oder ein Biokanal? Die Ausscheidungsprodukte werden ebenfalls unter die Lupe genommen, um eine Störung im Stoffwechsel aufdecken zu können. Ist die individuelle Diagnose gestellt, wird ein Therapiekonzept erarbeitet, das sich typischerweise aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzt. Wie diese Bausteine aussehen erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Therapie & Kur im Ayurveda

Oberstes Ziel ist immer die Gesundheit! Entweder lautet die Strategie Gesundheit erhalten oder eben Gesundheit wiedererlangen, d. h. bereits bestehende Erkrankungen heilen. Handelt es sich um eine Erkrankung, deren Entstehung und Ursache begründet werden können, kommt die “rationale Therapie” zum Einsatz. Sie hat drei Hauptpfeiler: Ist eine Bioenergie verändert wird eine innere Reinigung angestrebt, d. h. die Ausleitung der krankhaft veränderten dosha (samshodana). Ist die krankhafte Energie verschwunden bildet der Körper eine neue dosha aus, die mit den beiden anderen doshas wieder ein gesundes Gleichgewicht bildet. Voraussetzung dafür ist narürlich, dass der Patient seinen Lebensstil, d. h. Verhalten und Ernährung so verändert, dass die Ursache der dosha-Störung verschwindet. Wie läuft aber nun solch eine innere Reinigung ab? Die reinigende Therapie im Ayurveda wird als pancakarma bezeichnet. Dazu gehören fünf reinigende Techniken:

  • Therapeutisches Erbrechen
  • Einlauf
  • Abführen
  • Nasenbehandlung
  • Schröpfen

Vor der eigentlichen Reinigung wird der Körper “weich” gemacht, um zu erleichtern, dass sich die gestörte Energie von der Stelle der Erkrankung loslöst und zu den Ausscheidungsorganen gelangt. Genauso gehört eine entsprechende Nachbehandlung dazu, um eben den Körper dabei zu unterstützen die neue gesunde dosha zu bilden.

Ein weiterer Pfeiler der rationalen ayurvedischen Therapie ist die Beruhigung der doshas, auch samshamana genannt. Wird ein dosha überreizt kann mittels Einsatz von gegensätzlichen Eigenschaften gedämpft werden. Der dosha vata hat die Eigenschaften trocken und kalt. Zu seiner Beruhigung setzt man Wärme und ölige Feuchtigkeit ein. Die Anwendung kann sowohl innerlich, als auch äußerlich erfolgen. Beispielsweise Behandlungen mit heißem Öl, das einmassiert oder eingestrichen wird. Innerlich kann der dosha vata über spezielle Lebensmittel und Zubereitungen gedämpft werden. Der Bereich Ernährung ist im Ayurveda ein essentieller Ansatz! Der dritte und letzte Pfeiler der rationalen ayurvedischen Therapie sind chirurgische Eingriffe, wie beispielsweise die Behandlung von Hämorrhoiden oder Fisteln. Auch das Schröpfen zum Fördern der Durchblutung wird dazu gezählt.

Zur Gesundheit gehört auch immer das Gleichgewicht von Geist und Körper. Deswegen ist auch die Psychotherapie in der Ayurveda von zentraler Bedeutung. Coachings, Meditation und Arbeit an der inneren Einstellung und Verhaltensweise werden praktiziert.

Mittlerweile gibt es sogar Ayurveda-Hotels und Ayurveda-Resorts auf der ganzen Welt, die es einem ermöglichen unter professioneller Anleitung eine ganzheitliche Ayurveda-Kur durchzuführen. Jede ayurvedische Therapie packt zunächst die Ursachen der Erkrankungen an der Wurzel. Meist sind es Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Daher zielt eine Therapie immer darauf ab, Stoffwechselschlacken aus dem Körper zu befördern, den Stoffwechsel und das Immunsystem zu stärken und die doshas, die Bioenergien, auszugleichen. Denn Heilung und Gesundheit sind nur möglich, wenn sich die Energien im Gleichgewicht befinden.

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Fachartikel Einführung in den Ayurveda
Einführung in den Ayurveda

Dr. med. Hedwig Gupta, Zeitschrift für Komplementärmedizin, Ausgabe 2019; 6

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