Chronisch krank durch chronische Entzündung – Das sollten Sie über stille Entzündungen wissen

Entzündung und Silent Inflammation

Im Gegensatz einer akuten Entzündung, die sich relativ schnell im Organismus bemerkbar macht, z.B. durch Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen, können stille Entzündungen, also „silent inflammations“ auch längere Zeit ohne auffällige Symptome bleiben. Bleibt die Ursache über längere Zeit bestehen, können aber chronische Befindlichkeitsstörungen oder auch chronische Erkrankungen die Folge sein. Solche Folgen können z.B. sein:

  • Schlafstörungen
  • Chronisches Müdigkeits Syndrom (Chronic Fatigue Syndrom CFS)
  • Depressionen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Adipositas
  • chronische Darmentzündungen

Als Ursachen von Silent Inflammations gelten z.B.:

  • dauerhafter psychosozialer Stress
  • Genuss- und Umweltgifte
  • Dauereinnahme von Medikamenten
  • Fehlernährung oder Krankheitserreger.

Eine weitere Ursache für silent Inflammations kann das Leaky-Gut-Syndrom sein.

Durch einen geschädigten, undichten (löchrigen) Darm (Leaky-Gut-Syndrom) können Nährstoffe oder andere Substanzen in den Organismus geraten, die eigentlich dafür nicht vorgesehen sind. Diese werden vom Immunsystem als körperfremde Allergene erkannt.

In der Folge aktiviert das Immunsystem, das die Antigene bekämpfen will, pro-inflammatorische (entzündungsfördernde) Zytokine (Botenstoffe), durch die dann mit der Zeit eine silent inflammation entstehen kann.

Chronisch krank durch chronische Entzündung – Das sollten Sie über stille Entzündungen wissen

Der Darm – das größte Immunorgan

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wo das Immunsystem in unserem Organismus am meisten gebraucht wird? Richtig, an den Grenzflächen, also dort, wo Fremdkörper in den Körper gelangen. Die Grenzflächen zwischen der Innenseite  und der Außenseite des Organismus werden Schleimhäute genannt. Schleimhäute gibt es vor allem in Mund, Nase, Vagina und Magen-Darmtrakt. Schleimhäute haben eine große Verantwortung. Sie müssen zu jedem Zeitpunkt entscheiden, was in den Körper hinein darf (z.B. Nährstoffe) und was lieber draußen bleibt (z.B. pathogene Keime). Aus diesem Grund befinden sich unter jeder Schleimhaut eine große Anzahl von Immunzellen. Bei weitem die größte Oberfläche besitzt unsere Darmschleimhaut. Hier befinden sich auch die meisten Immunzellen. Zwei Drittel aller Lymphozyten sind hier angesiedelt. Der Darm ist somit mit Abstand das größte Immunorgan des Menschen. Eine Störung der Funktionalität der Darmschleimhaut geht daher mit einer Vielzahl von chronischen Erkrankungen einher.

Alle Schleimhaut-assoziierten Immunsysteme sind im Körper funktionell miteinander verschaltet. Bei anhaltenen Störungen eines Abschnittes, sind auch die anderen Abschnitte betroffen. Ist unser Darm krank, haben wir auch eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Aus welchen Komponenten besteht das Immunsystem des Darms?

Im Grunde besteht es aus zwei zentralen Komponenten:

  1. Das Schleimhaut-Immunsysstem (außen)
  2. Das darmassoziierte Immunsystem oder GALT (von engl. gut associated lymphoid tissue) (innen)

Die Zellen der Schleimhaut, die Epithelzellen liegen dazwischen und haben eine Vermittlerrolle. In den Epithelzellen befinden sich T-Lymphozyten, welche die Antigene aufnehmen, analysieren und der Schleimhaut präsentieren. Epithelzellen wirken pro- aber auch antientzündlich.

Das Schleimhaut-Immunsystem begegnet pathogenen Keimen, Allergenen oder Antigenen mit kleinen Eiweißmolekülen (ß-Defensinen), die wie ein Breitbandantibiotikum wirken. Die Produktion der ß-Defensine ist u.a. abhängig von unseren Darmbakterien. Darüber hinaus geben die Epithelzellen Antikörper vom Subtyp IgA (Immunglobulin A) ab, die unspezifisch Antigene abfangen und als Komplex über die Schleimhaut dem GALT kontrolliert präsentiert. sIgA (sekretorisches Immunglobulin A) vermittelt im Gegensatz zu anderen Antikörpern keine Entzündung. So wird das Gewebe geschützt.

Wann und warum das Immunsystem Entzündungen initiiert

Eine Entzündung ist ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers. Die beteiligten Reaktionen sind notwendig für den darauf folgenden Heilungsprozess. Ziel ist immer, diesen Auslöser zu eliminieren, zu inaktivieren oder zu kontrollieren.

Was stellen Sie sich vor, wenn Sie an eine Entzündung denken? Vielleicht an eine Schwellung am Fuß- oder Handgelenk, die schmerzt? Oder an eine Hautrötung, vielleicht einen Ausschlag, der mit Juckreiz verbunden ist. Ja stimmt, eine akute Entzündung ist immer verbunden mit Rötung, Schwellung, lokaler Erwärmung oder sogar Fieber. Das ist auch wichtig, denn eine Entzündung ist an sich eine biologisch sinnvolle Aktion des Körpers, um den Organismus im Ernstfall schnell und effektiv durch die Krise zu führen.

Was aber passiert bei einer akuten bzw. lokalen Entzündung? Im Zentrum einer Entzündung stehen immer Zellen es Immunsystems, die durch einen Reiz (einen Trigger), ein bestimmtes Antigen, entzündungsfördernde Moleküle in die Umgebung abgeben. Das sind kleine Vermittler-Moleküle wie Interferone, Interleukine, der Tumornekrosefaktor Alpha (TNF-α), CRP (C-reaktives Protein) oder auch Histamin. Sie alle dienen als Signal bzw. als Lockruf für weitere, helfende Immunzellen  und machen die Blutgefäße an der entsprechenden Stelle durchlässiger, um die Gewebereparatur zu initiieren. Die eintretenden Zellen und Effektormoleküle bewirken dann Entzündungsschmerz, Hitze, Schmerz, Rötung und Schwellung. Doch damit nicht genug, proentzündliche Stoffe haben körperweite Einflüsse.

Proentzündliche Stoffe

  • fördern die Ausschüttung von Cortisol, hemmen Östrogen und Testosteron (Hormonsystem!)
  • hemmen die Insulinwirkung (–> Diabetes)
  • erzeugen oxidativen Stress
  • induzieren Stickstoffradikale
  • hemmen die Serotoninproduktion
  • steigern den Knochenabbau (Osteoporose!)
  • steigern die Schmerzwahrnehmung im Muskel
  • setzen Aminosäuren und Fettsäuren frei (katabole Stoffwechsellage)

 

Im Grunde gibt es 3 Entzündungssysteme:

  1. Über Makrophagen: V.a. TNF-α, Il-1 sowie CRP, IL6, IL8, IL10, TGF-ß (V.a. Bakterien, Pilze, Medikamente, Partikel)
  2. T-Zellvermittelt: V.a.über IFN-gamma (V.a. Viren, Bakterien intrazellulär, Medikamente)
  3. Mastzellen-basiert: V.a. über Histamin (V.a. Allergene, Bakterien, Pilze und Medikamente)

 

Nicht immer müssen alle  drei Entzündungssysteme aktiv sein. Je mehr auffällige Parameter man allerdings misst, desto tiefer steckt ein Patient in der chronischen Entzündung.

Eine akute Entzündung dient dazu, den Körper durch eine Krise durchzuführen. Es wird zusätzliche Energie bereitgestellt, die Funktionsfähigkeit des Organismus muss unbedingt erhalten bleiben!

Nun sind wir heutzutage  Stoffen aus der Umwelt ausgesetzt, welche die Ausschüttung entzündungsfördernder Moleküle ständig in geringer Weise in Gang setzen. Zu solchen Noxen gehören Metalle, Kunststoffe, Weichmacher, Gluten, Casein, Konservierungsstoffe, Pestizide aber auch Stress. Eine ständige, unterschwellige Entzündung führt, ebenso wie bei einer akuten Entzündung zum oxidativen Stress, zur Bildung von Stickstoffradikalen und schließlich zum Nitrostress und zur Mitochondriopathie, also der Störung der Kraftwerke des Körpers, der Mitochondrien. Der oxidative Stress allerdings verstärkt dann wieder die Ausschüttung von entzündungs-fördernden Molekülen. Ein Kreislauf entsteht, der nur schwer zu stoppen ist.

Die Entzündung verselbstständigt sich, sie chronifiziert.

Sie ist ab sofort auch dann vorhanden, wenn gar kein Trigger mehr von außen einwirkt. Das Immunsystem hat seine Toleranz verloren und es können chronische Multisystemerkrankungen entstehen wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, Burnout, chronische Erschöpfung. Der ganze Vorgang bis hin zur chronischen Erkrankung kann nach der Erfahrung vieler Therapeuten Jahre bis Jahrzehnte dauern.

Bis dahin können Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Libidoverlust, Depression, Müdigkeit, Schlafstörungen und andere Symptome auftreten. Im Sinne der echten Prävention sollten solche Symptome wesentlich ernster genommen werden.

Was können Sie also tun, um diesem Kreislauf in eine chronische Erkrankung zu entkommen?

  • Sanierung des Leaky-Gut-Syndroms
  • Antientzündliche Therapie
  • Auffüllen von Mikronährstoffen
  • Antioxidative Therapie
  • Immunmodulierende Therapie
  • Mehr Omega-3-Fettsäuren, weniger Omega-6-Fettsäuren
  • Ernährungs-Umstellung auf entzündungshemmende Nahrungsmittel, eher vegan*

*Für ausführliche Informationen vergleichen Sie auch das Kapitel „Entzündungshemmende Ernährung – die beste Voraussetzung für ein beschwerdefreies Leben.

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