Was sind oxidativer und nitrosativer Stress?

Mitochondrien versorgen unsere Körperzellen mit Energie. Als Nebenprodukt entstehen dabei auch Sauerstoffradikale. Doch was ist eigentlich ein Radikal und was tut es? Wird es jetzt stressig? Folgender Beitrag gibt Ihnen Antwort auf diese Frage und Sie erfahren, was es mit den Begriffen oxidativer und nitrosativer Stress auf sich hat.

Was sind oxidativer und nitrosativer Stress?

Oxidativer Stress und freie Radikale

Oxidativer Stress bedeutet, wie das Wort schon sagt, dass ihr Körper in Stress gerät. Ausgelöst durch einen zu hohen Anteil an freien Radikalen. Ein Radikal kann man auch als „Elektronenräuber“ bezeichnen. Im Falle von oxidativem Stress handelt es sich um Sauerstoff-Verbindungen. Freien Sauerstoffradikalen fehlt ein Elektron. Sie haben ein einsames ungepaartes Elektron, das einen Partner sucht. Radikale sind daher sehr „reaktionsfreudig“ und nehmen anderen Molekülen das fehlende Elektron weg. Dadurch geht das betroffene Molekül kaputt. Stellen Sie sich ein Uhrwerk vor, in dem ein wichtiges Zahnrad kaputt ist oder entfernt wird. Die Uhr bleibt stehen. Das Fatale daran: es handelt sich dabei um eine Kettenreaktion. Es entstehen immer wieder neue Radikale, die „gesunde“ Moleküle selbst zu Radikalen machen. Freie Radikale können unsere Zellen zerstören somit lebenswichtige Funktionen hemmen. Erst wenn ein freies Radikal auf einen Radikalfänger, ein Antioxidans1818 trifft, wird diese Kettenreaktion unterbrochen. Ein Beispiel für ein solch ein Körpereigenes Antioxidans ist Coenzym Q10.

Wie lösen freie Radikale oxidativen Stress aus?

Freie Radikale entstehen natürlicherweise als Produkte unseres Stoffwechsels. Die Gewinnung von Energie in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, wäre ohne die Bildung von freien Radikalen nicht möglich. Welche Prozesse dabei im Körper ablaufen erfahren Sie im Beitrag „Mitochondrien und Energie oder: viele Wege führen nach Rom“. Auch unser Immunsystem arbeitet im Übrigen mit freien Radikalen, um Eindringlinge abzuwehren. Radikale sind also nicht nur schädlich, sondern haben wichtige Aufgaben im Körper! Freie Radikale werden erst dann zum Problem, wenn sie in zu großen Mengen entstehen und das Verhältnis “Radikale – Antioxidantien” aus dem Gleichgewicht gerät. Die körpereigenen Schutzsysteme sind nicht mehr in der Lage zu verhindern, dass die Sauerstoffradikale Zellen und Moleküle angreifen. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von oxidativem Stress. Hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, steigt das Risiko für die Entstehung chronischer Krankheiten wie z. B. Krebs.

Liegen irgendwann so viele aggressive Sauerstoffradikale vor, dass unsere Schutzmechanismen sie nicht alle abgefangen können, spricht man von oxidativem Stress.

Was sind die Ursachen für oxidativen Stress?

Die Ursachen für die Entstehung von oxidativem Stress sind vielfältig. Hier eine kurze Übersicht:

  •     Umweltgifte (Pestizide und Herbizide),
  •     Medikamente (Antibiotika, Schmerzmittel),
  •     Strahlungsbelastungen (UV, Röntgen, Ozon),
  •     elektrobiologische Belastungen (elektrische und magnetische Wellen),
  •     Nährstoffmängel,
  •     Nikotin- und Alkoholmissbrauch,
  •     chronischer Stress,
  •     starke körperliche Belastungen (auch Sport),
  •     mangelnde Aktivität des Erholungsnervensystems (Parasympathikus),
  •     Belastungen durch Schwermetalle,
  •     chronische Entzündungen.

Was ist nitrosativer Stress?

Neben Sauerstoffradikalen gibt es weitere Moleküle, die im Körper in zu hohen Mengen enormen Schaden anrichten können: Stickstoffmonoxid (NO) und daraus entstehende Stickstoffradikale. Man spricht in diesem Fall von nitrosativem Stress. Auch bei Stickstoffradikalen kommt es immer auf deren Dosis-Wirkung an. Stickstoffmonoxid wird von all unseren Körperzellen gebildet, ist in all unseren Aminosäuren und folglich auch in all unseren Proteinen enthalten. NO ist sehr wichtig und erfüllt im Organismus verschiedene Aufgaben: Es wirkt antibakteriell und arbeitet als Neurotransmitter, d. h. es leitet innerhalb unseres Nervensystems Signale weiter. Der NO-Stoffwechsel spielt auch eine tragende Rolle bei der Blutdruckregulation. Es wirkt auf die glatte Muskulatur der Blutgefäße ein und kann so deren Erweiterung vermitteln. Auch für die Abläufe in den Mitochondrien und die Produktion von Energie ist NO wichtig.

Was sind die Ursachen für nitrosativen Stress?

Die Ursachen für nitrosativen Stress können sein:

  • Umweltgifte,
  • Schwermetalle,
  • Sauerstoffmangel,
  • Instabile Halswirbelsäule, HWS-Traumata
  • Stress,
  • Impfungen,
  • Infektionen,
  • chronische Entzündungen,
  • Drogenkonsum (Alkohol, Rauchen, Rauschgift),
  • nitrathaltige Lebensmittel,
  • Strahlenbelastungen und
  • Altern.

Radikal und gefährlich: Das Peroxynitrit

Ein schlimmes Szenario tritt ein, wenn sich Stickstoffmonoxid NO● und Superoxid (ein Sauerstoffradikal) O2● zu Peroxynitrit (ONOO●) zusammenlagern: Dieses Zellgift hat schwerwiegende Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus. Es kommt zur Aktivierung von Stoffen, die Entzündungen auslösen und zu heftigen Immunreaktionen. Es ist ein Teufelskreis!

Schutzenzyme werden angegriffen, oxidativer und nitrosativer Stress steigen, die Mitochondrien werden zerstört und dadurch selbst zu regelrechten „Radikalkanonen“. Die Energiegewinnung wird gehemmt und lässt noch mehr freie Radikale entstehen. Viele Moleküle werden dadurch irreversibel geschädigt. Auch die Zellmembran, welche die Mitochondrien umgibt. Sie wird angegriffen und durchlässig. Calcium kann vermehrt einströmen, wodurch ein Prozess eingeleitet wird, der zum Tod der Zelle führen kann. Multisystemerkrankungen sind die Folge.

Wie kann man oxidativen Stress und nitrosativen Stress behandeln?

Zunächst lässt sich diese Frage recht einfach beantworten: die Auslöser von oxidativem Stress vermeiden! Das ist doch nicht immer möglich und meist ist die Lage schon so kritisch, dass man nachhelfen muss. Eine Therapie von oxidativem Stress wird immer das Ziel haben ihre körpereigenen Schutzsysteme auf Trab zu bringen – und zwar mit Antioxidantien!

Natürliche Antioxidantien – wirksam gegen freie Radikale

Sogenannte endogene Antioxidantien kommen „natürlich“ im Körper vor und ein gesunder Mensch ist in der Lage, diese selbst herzustellen. Dazu zählt z. B. das Glutathion (GSH), unser „Rostschutzfaktor“. Tritt ein Mangel auf, kann es durch entsprechende Präparate oder Medikamente ergänzt werden. Bei oxidativem Stress werden bevorzugt schwefelhaltige Moleküle angegriffen, wie z. B. Glutathion oder die α-Liponsäure. Sie wird bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien gebraucht wird. Man kann die schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin einnehmen, um diese als alternatives „Ziel“ für die freien Radikale anzubieten. Das bekannte Antioxidans Coenzym Q10 (Ubichinon) ist auch ein Radikalfänger und kann chronischen Entzündungen entgegenwirken. Natürlichen Antioxidantien sind auch Vitamin B12, Vitamine C und E. Oftmals ist unser Bedarf an diesen Vitaminen so hoch, dass wir ihn durch Eigenproduktion nicht decken können. Wir müssen sie zusätzlich mit unserer Nahrung aufnehmen. Obst und Gemüse enthalten neben den besagten Vitaminen eine ganze Reihe sekundärer Pflanzenstoffe (SPS)267, die ebenfalls eine antioxidative Wirkung haben, wie z. B. Carotinoide oder Flavonoide.

Nährstoffpower gegen oxidativen Stress

Eine weitere Option, um oxidativen Stress zu behandeln ist antioxidativen Enzyme zu unterstützen. Deshalb sollten sie darauf achten, dass kein Mangel an Spurenelementen (Zink, Kupfer, Mangan, Selen) besteht und falls nötig sollte das Defizit ausgeglichen werden. Biologische Mediziner arbeiten deshalb häufig orthomolekular – also mit Mikronährstoffen. Enzyme sind Stoffe, die wir brauchen, damit chemische Reaktionen in unserem Körper stattfinden können. Dabei brauchen die Enzyme kleine Helfer, die sogenannten Cofaktoren48. Die erwähnten Spurenelemente sind dann solche Cofaktoren.

Weitere Helfer im Kampf gegen freie Radikale

Ein weiterer Kandidat, der ihrem Körper hilft, sich gegen freie Radikale zu wehren ist das Hormon114114 Melatonin. Es zeigt einen positiven Einfluss auf die Reduktion von oxidativem Stress. Auch Curcumin, ein natürlicher Wirkstoff aus der Kurkuma-Pflanze tritt freien Radikalen wirksam entgegen. In der indischen Heilkunst, der Ayurveda, wird Curcumin seit Jahrzehnten eingesetzt. Es wirkt entzündungshemmend, antioxidativ, verdauungsfördernd und unterstützt die natürliche Entgiftung. Probieren doch auch Sie einmal ein indisches Gemüse-Curry und profitieren Sie von den positiven Curcumin-Effekten! Curcumin ist nicht wasserlöslich und deshalb sollte immer ein wenig Fett im Gericht dabei sein, wie z. B. Kokosöl. Sehr lecker!

Weitere Informationen zu den verschiedenen Vitaminen und Mikronährstoffen finden Sie auf andrino im Bereich „Orthomolekulare Therapie“. Ein geeigneter Therapeut kann Ihren persönlichen Schutzplan zusammenstellen. andrino arbeitet derzeit an einem Deutschlandweiten Therapeutenverzeichnis für Sie.

Wie wird oxidativer Stress gemessen?

Diese Frage beantwortet Ihnen andrino im Beitrag „Messung von oxidativem Stress“. Es wird analysiert wie gut ihre antioxidativen Schutzmechanismen aufgestellt sind. Außerdem werden Werte überprüft, die einen eventuell bereits entstandenen Schaden durch freie Radikale aufzeigen.

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