Chronisch übersäuert – was nun?

„Die Übersäuerung des Körpers, durch unsere Lebensmittelauswahl, zählt zu den sieben epidemiologisch anerkannten, krankmachenden Charakteristiken unserer westlichen Zivilisation!“

Fazit: Die übliche, westliche Ernährung mit Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Zucker und viel Fleisch, Wurst, Käse und Milchprodukten ist stark säurelastig und gleichzeitig arm an Basen.

Kommen Stress, Bewegungsarmut und ein hoher Koffeinkonsum (Kaffee, Cola) hinzu, wodurch Basenverluste weiter verstärkt werden, muss der Stoffwechsel zwangsläufig entgleisen. Abnehmen ist in diesem übersäuerten Zustand nicht möglich, weil beim Abnehmen eine weitere, starke Säurebelastung hinzukommt. Um eine Balance wiederherzustellen, sind daher im Einklang mit den Stoffwechselgrundgesetzen große Mengen basischer Lebensmittel erforderlich und gleichzeitig eine Einschränkung bei der Zufuhr der Säurebildner. Der Teufelskreis aus Ernährung, Übersäuerung und Übergewicht kann nur durch eine vermehrte Basenzufuhr durchbrochen werden.

Chronisch übersäuert – was nun?

Die Übersäuerung des Stoffwechsels ist ein weitverbreitetes, neues Phänomen unserer Zeit. Die Umweltbedingungen, unser Lebensstil, unsere Ernährung sind hauptsächlich für diesen Trend verantwortlich. Es war der Arzt und Biochemiker Friedrich Sander, der 1953 bahnbrechende Erkenntnisse im Säure-Basen-Haushalt veröffentlichte. In der täglichen Praxis ist nicht die entgleiste Übersäuerung die Regel, sondern die chronische latente Übersäuerung im Bindegewebe (z. B. des Knochens und Knorpels oder auch der Muskulatur) ist nach Sander das Hauptproblem und die eigentliche Ursache vieler Krankheiten. In diesem Milieu können viele EnzymeBiokatalysatoren aus Eiweiß, die zur Beschleunigung von chemischen Reaktionen beitragen. Nahezu jede Stoffwechselreaktion wird enzymatisch begleitet ihrer Stoffwechseltätigkeit nur noch suboptimal nachkommen. Zudem entwickeln sich immer mehr freie RadikaleHochreaktive Substanzen aus dem Zellstoffwechsel, welche Proteine, Enzyme und DNA durch Oxidation schädigen können (ROS: reaktive Sauerstoffradikale), die nicht mehr effektiv neutralisiert werden können. Die Übersäuerung und die freien Radikale führen letztendlich zu einer permanenten Irritation der Abwehrsysteme, zu Entzündungen und Schmerzen.

Bei den meisten enzymatischen Stoffwechselvorgängen fallen Säuren als Stoffwechselendprodukte an, die vom Körper unbedingt ausgeschieden werden müssen. Funktioniert die Säureregulation jedoch nicht, kommt es zu einer sauren Stoffwechsellage. Sehr oft ernähren wir uns zu sauer und eiweißreich. Deshalb ist es wichtig, auf Lebensmittel wie z. B. Schweinefleisch zu verzichten, um nicht noch eine weitere Versäuerung des Bindegewebes zu erzielen. Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen sind die Folge. Auf der anderen Seite fehlen basengebende Lebensmittel wie z. B. frisches Obst und Gemüse, Kartoffeln, Nüsse oder Samen. Auch eine zu geringe körperliche Bewegung (bei Erkrankungen des Bewegungsapparates ja nicht untypisch), wie auch eine krankhaft veränderte DarmfloraMikroflora im Darm. Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen fördert eine Übersäuerung des Körpers. Die Folge ist eine Säureflut im Organismus. Große Mengen Puffersubstanzen und auch Mineralstoffe werden benötigt, um all die eintreffenden Säuren zu neutralisieren. Der Körper versucht verzweifelt, sein Säure-Basen-Gleichgewicht zu halten. Und so muss der Körper mit sich selbst Raubbau betreiben. Er muss seine eigenen Mineralstoffdepots plündern. Er holt sich die fehlenden Mineralien (Basen) aus den Knochen, aus den Zähnen, dem Haarboden, aus den Blutgefäßen oder gar aus den Organen. Damit riskiert er langfristig schwere Schäden wie z. B. Karies, Krampfadern, Haarausfall, Osteoporose, brüchige Fingernägel, Bandscheibenleiden, Arteriosklerose usw.

 

Ursachen einer Übersäuerung können sein:

  • Chronische Erkrankungen z. B. Diabetes
  • Chronische Darmgärung in Folge falscher Ernährung
  • Chronische Entzündungen
  • Alkohol
  • Chronische Nierenschwäche
  • Sauerstoffmangel durch Herzschwäche
  • Massive körperliche Belastungen
  • Vergiftungen
  • Medikamente, wie z. B. Kortison
  • zu viel an tierischem Eiweiß
  • Mangel an Frischkost, Obst, Gemüse
  • Geringe Flüssigkeitszufuhr

 

Folgen einer latenten chronischen Übersäuerung:

  • vegetative Störungen z. B. Spannungskopfschmerz, Nervosität, Müdigkeit und Migräne
  • rheumatische Erkrankungen z. B. Weichteilrheumatismus, chronische Polyarthritis, Gicht
  • Krankheiten des Verdauungstraktes z. B. Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Verstopfung
  • Schädigungen des kolloidalen Bindegewebes z. B. Bandscheibenerkrankungen, Arthrosen, Myogelosen, Fibromyalgie
  • Erkrankungen der Knochen z. B. pathologische Knochenbrüche, Osteoporose
  • psychische Störungen z. B. Schlafstörungen, Depressionen
  • erhöhte Infektanfälligkeit (Immunschwäche)
  • Pilzerkrankungen
  • Karies, brüchige Haare und Nägel
  • Hauterkrankungen (z. B. Akne)
  • Allgemeine Schmerzen (Sensibilisierung der freien Nervenendigungen)
  • Herz-Rhythmusstörungen durch Kaliummangel

 

Subjektive Symptome beim Patienten mit einer chronischen latenten Übersäuerung:

  • der Harn brennt beim urinieren und ist saurer als gewöhnlich
  • der Magen bildet mehr Salzsäure als sonst: Sodbrennen
  • saures Aufstoßen
  • heftiger Durst
  • saurerer Geruch des Stuhls
  • eventuell saures Erbrechen und saure Durchfälle
  • das Scheidensekret wird übermäßig sauer „scharf“: Vaginalpilze
  • der Schweiß riecht eigenartig säuerlich

 

Wer neigt eher zur Übersäuerung?

  • Ältere Menschen (Mangelernährung)
  • Leistungssportler
  • Personen mit chronisch entzündlichen Erkrankungen (Gicht, Rheuma, Osteoarthritis, Neurodermitis, auch Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn)
  • Personen mit Erkrankungen der Knochen (Osteoporose)
  • Personen mit einseitiger Ernährung (zu proteinreiche Ernährung, Fast-Food, Diäten, Fastenkuren)
  • Personen mit ungesunder Lebensweise (Raucher, Alkohol, Bewegungsmangel, Stress)

 

Etwa 20 bis 30 Prozent aller Patienten mit Diabetes mellitus entwickeln eine diabetische Nierenfunktionsstörung (Nephropathie). Durch die Minderfunktion der Niere können Säuren nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden und reichern sich im Bindegewebe an. Dies führt zu einer Störung des Säuren-Basen-Haushalts und kann eine latente Übersäuerung (Azidose) begünstigen. Zudem bildet der Diabetiker Typ1, wie auch Typ2, in seinem krankhaft veränderten Stoffwechsel Aceton, welches eine sogenannte „Ketosäure“ darstellt und somit den Diabetiker dauerhaft in eine zusätzliche latente saure Stoffwechsellage bringt, was auch irgendwann lebensbedrohlich werden könnte und als „ketoacidotisches Koma“ bekannt ist. Das beschreibt dann aber ein Abgleiten des Säure-Basen-Haushalts im Blut und nicht z. B. im Bindegewebe. Das Gleiche passiert durch jede Art einer längerfristigen Gewichtsreduktion, da man dadurch den Körper automatisch in eine „diabetische Stoffwechsellage“ drängt und somit eine saure Stoffwechselsituation provoziert. Diese wiederum führt zu einer zunehmenden Enzymblockade und erschwert dem Körper den enzymatischen Abbau von Fetten (Lipolyse) und der Patient entwickelt eine sogenannte „Diätkrise“. Es gilt also in der Naturheilkunde immer bei chronischen Erkrankungen, insbesondere beim Diabetes, aber auch bei jeder Form einer Gewichtsreduktion therapeutisch den Säure-Basen-Haushalt zu begleiten.

 

Interpretation der Begriffe saure und basische Nahrungsmittel

Die Begriffe säure- und basenüberschüssige Nahrung besitzen eine Doppeldeutigkeit. Sie bedeuten einmal die Reaktionslage der Nahrungsmittel vor der Verdauung bzw. die Reaktionslage ihrer Stoffwechselendprodukte nach der Verdauung. So ist z. B. Eiweiß schwach basisch, liefert aber als Stoffwechselendprodukte Schwefel- und Phosphorsäure, ist damit also säureüberschüssig. Im Magen wirkt Eiweiß also basisch, nach der Verdauung und Aufnahme aber eher sauer. Ein Apfel reagiert aufgrund seiner Fruchtsäuren im Magen sauer, ist aber eher basenüberschüssig, weil die Säure im Stoffwechsel zu Kohlendioxid und Wasser verbrannt wird. Das Kohlendioxid wird dann über die Lungen abgeatmet, dabei werden Basen frei und stehen dann zur Neutralisation zur Verfügung.

 

Grundsätzlich unterscheidet man vier Gruppen von Nahrungsmitteln:

Sogenannte Basenlieferanten wie z. B.:

  • Kartoffeln
  • Gemüse
  • Obst
  • Rohe Milch und Käse
  • Brauner Zucker
  • stille Mineralwässer
  • die meisten Kräuter

 

Neutrale Lebensmittel halten das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen. Dazu gehören:

  • Butter
  • gepresste Öle
  • Walnüsse
  • Leitungswasser

 

Zu den Säureerzeugern gehören die Lebensmittel, die selbst keine Säuren enthalten, aber im Stoffwechsel Säuren entstehen lassen:

  • Zucker und zuckerhaltige Süßwaren
  • Brot und Brötchen aus Weißmehl
  • Nudeln, Reis
  • Kaffee
  • schwarzer Tee, wenn er weniger als eine Minute gezogen hat
  • Alkohol

 

Die letzte Gruppe bilden die Säurelieferanten, die einen Überschuss an sauren Mineralstoffen liefern:

  • Fleisch
  • Fisch
  • Geflügel
  • Wild
  • Quark
  • Fleischbrühe

 

Einsatz von Basenbädern

Die Haut ist unser größtes Ausscheidungsorgan, kann sie dieser Funktion nur eingeschränkt nachkommen, hat dies Auswirkungen auf die gesamte Befindlichkeit des Organismus. Basische Bäder sind schon seit vielen Jahrhunderten bekannt. Schon die alten Römer verwendeten Basen (Mineralienkomplexe) zur Hautreinigung und zur Entfernung alter Hautschichten. Basenbäder regen die natürliche Regulation der Haut an und fördern die Ausscheidung von Säuren und Stoffwechselschlacken, deshalb eben auch besonders gerne als Frühjahrskur verwendet. Damit beweist sich die Aussage:

„Die Haut ist die dritte Niere“.

Die Haut muss nur wieder zu ihrer natürlichen Ausscheidungsfunktion erzogen werden. Auch bei der Cellulite werden Basenbäder unterstützend zur Bindegewebsstraffung genutzt. Wer durch das Basenbad möglichst viele Schlacken und andere Giftstoffe ausscheiden möchte, sollte darauf achten, dass die Wassertemperatur über 37 Grad liegt. Durch Zugabe von 2-3 EL Basenbad zum Wasser, hat das Wasser einen pH-Wert von 8-9. Dabei entsteht ein osmotischer Druck, der die Säuren aus dem Körper ausscheiden lässt. Da in der heutigen Zeit die meisten Menschen übersäuert sind, werden die Säuren sobald Sie sich in das Badewasser legen, über die Haut ausgeleitet. Hierzu sind Teilbäder und Vollbäder möglich.

 

Messmethoden

Verschiedene Parameter können zur Beurteilung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Organismus herangezogen werden. Der wichtigste Anhaltspunkt ist der pH-Wert des Bluts. Daneben wird der pH-Wert des Urins und des Stuhls ermittelt. Bei all diesen Werten ist zu beachten, dass sie immer nur Momentaufnahmen im Stoffwechselgeschehen darstellen. Der Urin-pH-Wert unterliegt überdies unmittelbar äußeren Einflüssen wie Nahrungs- und Getränkeaufnahme.

Bestimmung des Urin-pH-Wert

Der pH-Wert des Urins ist ein Messparameter für den Säure-Basen-Haushalt, dessen Beurteilung besonderer Beachtung bedarf. Sein Säuregehalt schwankt nicht nur in Abhängigkeit von der Nahrung, sondern auch von der Psyche und der Tageszeit. Parallel zur Leberaktivität werden in der zweiten Nachthälfte in der Regel mehr Säuren ausgeschieden. Auch bei Kaliummangel finden wir niedrige pH-Werte im Urin.

Die übliche Messung des Urin-pH mit Lackmuspapier oder Universal-Indikatorpapier erfasst nur ein Prozent der Säureausscheidungen. Die übrigen 99% der Säuren werden in bereits gebundener Form über die Nieren ausgeschieden und bleiben bei dieser Prüfmethode unberücksichtigt. Als physiologischer Normalzustand werden Urin-pH-Werte zwischen 6,2–6,9 angesehen. Bei Werten zwischen 4,5–6,0 muss eine säureüberschüssige Ernährung bzw. eine Azidose vermutet werden. Alkalische pH-Werte über 7,0 findet man häufig bei Veganern oder nach Gabe von Basenmischungen.

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