Habe ich eine Allergie? Ein zellulärer Bluttest aus dem Labor liefert Antworten

Allergien nehmen immer mehr zu und sind für Betroffene sehr belastend. Die Stoffe, auch Allergene genannt, die unser Immunsystem mit großem Eifer bekämpft, können sehr unterschiedlich sein. Doch wie können wir herausfinden worauf wir allergisch sind? Mittlerweile gibt es in der zellulären Allergiediagnostik Testverfahren, die die “bösen” Stoffe ausfindig machen können. Und das als Funktionstest im Reagenzglas, d. h. ohne Risiko und Nebenwirkungen für den betroffenen Patienten. Erfahren Sie in folgendem Beitrag alles über diese Laboranalysen: “Basophiler Degranulationstest (BDT)” und “Lymphozyten-Transforamtionstest (LTT)”.

Habe ich eine Allergie? Ein zellulärer Bluttest aus dem Labor liefert Antworten

Was sind zelluläre Allergietests?

Zelluläre Allergietests werden durchgeführt, um eine Sensibilisierung gegen bestimmte Stoffe nachzuweisen. Dabei handelt es sich um Funktionstests bestimmter Blutzellen im Labor bzw. im Reagenzglas. Das nennt man auch in vitro Untersuchung. Völlig ungefährlich für den Patienten. Im Reagenzglas werden Immunzellen mit dem verdächtigen Allergen zusammen gebracht und es wird beobachtet, wie und ob die Immunzellen reagieren. Zum Nachweis für die Reaktion der Immunzellen können zum einen Botenstoffe nachgewiesen werden, die die Zellen nach Aktivierung ausschütten und an die Umgebung abgeben. Zum anderen kann die Aktivierung auch direkt über bestimmte Aktivierungsmarker auf der Zelloberfläche kontrolliert werden. Durch bestimmte Antigene werden die Immunzellen auch zum Wachstum angeregt und sie vermehren sich. Das wird Proliferation genannt und auch das kann man im Labor nachweisen.

Nachweis einer Typ 1-Allergie: die Grundlagen

Wenn Sie vorab mehr über die Grundlagen und die Entstehung von Allergien erfahren wollen interessiert Sie sicher unser Beitrag “Wie entsteht eine Allergie und was genau passiert dabei im Körper?” An dieser Stelle nochmal kurz die wichtigsten Fakten für Sie zusammengefasst: Eine Typ 1-Allergiereaktion wird durch spezifische IgE-Antikörper vermittelt und ist eine Sofortreaktion, d. h. die Symptome treten innerhalb von Sekunden bis Minuten ein.

In der ersten Phase, der Sensibilisierungsphase kommt es im Körper zur erhöhten Empfindlichkeit bzw. Allergiebereitschaft gegen ein bestimmtes Allergen. Beim Erstkontakt gelangt das Allergen, z. B. Pollen über die Nasenschleimhaut, in den Körper. Dort wird es von Antigen-präsentierenden Zellen aufgenommen, in seine Bestandteile zerlegt und an der Zelloberfläche präsentiert. Andere Immunzellen erkennen diese Bruchstücke als körperfremd, werden dadurch aktiviert und setzen Botenstoffe frei, die B-Zellen dazu veranlassen Unmemgen an spezifischen IgE-Antikörpern zu bilden. Diese Antikörper binden sich an Mastzellen (im Gewebe) und Basophile Granulozyten (im Blut). Die Zellen befinden sich jetzt im “Ruhezustand”.

In der Reaktionsphase, d. h. bei wiederholtem Kontakt mit dem Allergen, bindet das Antigen direkt an die dazu passenden IgE-Antikörper auf den Mastzellen oder Basophilen Granulozyten. Das führt blitzschnell zur Freisetzung von Stoffen, die in den ruhenden Zellen gespeichert sind. Dazu gehören u. a. Histamin, Leukotriene159 und entzündungsfördernde Stoffe. Die Folge: typische Allergiesymptome.

Wie funktioniert ein Basophilen-Degranulationstest (BDT)?

Um eine Typ 1-Allergie, die ja IgE-vermittelt ist, nachzuweisen ist es möglich die IgE-Antikörper direkt im Blut nachzuweisen über den sogenannten CAP-Test. Es wird also der Allergiemarker IgE gemessen. Allerdings haben freie IgE-Antikörper im Blut eine sehr geringe Halbwertszeit, d. h. die Antikörper können nur 2-3 Tage nach Freisetzung nachgewiesen werden. Die Halbwertszeit von IgE-Antikörpern, die an Mastzellen oder Basophile Granulozten gebunden sind beträgt Monate bis Jahre! Außerdem kann der Spiegel von freien IgE-Antikörpern für einen Nachweis zu gering sein. Dazu kommt, dass keine Allergien erfasst werden können, die nicht IgE-vermittelt sind und auch Pseudoallergien unter dem Radar verschwinden. Es kann auch nur auf bereits bekannte Allergene hin untersucht werden.

Sie sehen, der Basophilen-Degranulationstest hat einige Vorteile, denn es wird eine Reaktion gemessen, also ein funktioneller Test an Zellen durchgeführt. Was wird gemacht? Dem Patienten wird Vollblut entnommen, was innerhalb von 24 Stunden an ein spezialisiertes Labor gesendet wird. Da der Test an lebenden und funktionsfähigen Zellen durchgeführt werden muss ist die Zeitspanne unbedingt einzuhalten.

Die Blutprobe wird im Labor aufbereitet und über ein spezielles Zentrifugationsverfahren werden die Basophilen gewonnen und isoliert. Dann wird eine festgelegte Anzahl Basophile mittels Zugabe eines bestimmten Stoffs (IL-3) “empfindlicher” gemacht. Nun kommt der eigentliche Test: zu den empfindlichen Basophilen wird das zu untersuchende Allergen gegeben. Nach etwa 30 Minuten, es handelt sich ja um eine allergische Sofortreaktion, wird in der umgebenden Flüssigkeit nachgesehen, ob sich dort freigesetzte Botenstoffe (Leukotriene) über einem definierten Grenzwert befinden. Wenn ja ist das ein Hinweis darauf, dass eine Sensibilisierung gegenüber dem Allergen stattgefunden hat bzw. dass man auf den betreffenden Stoff allergisch reagiert. Die Basophilen wurden durch das Allergen und dessen Bindung an die spezifischen IgE-Antikörper an der Oberfläche dazu gebracht gespeicherte Botenstoffe freizusetzen.

Handelt es sich um unbekannte oder sehr seltene allergene Stoffe gibt es für die Standarddiagnostik im Labor keine Nachweismöglichkeit von IgE-Antikörpern. Daher muss man auf den BDT zurückgreifen. Auch beim Test auf eine Medikamentenallergie bzw. die “Verpackungsstoffe” wird der BDT angewandt.

Wann ist ein Basophilen-Degranulationstrest sinnvoll?

Der Basophilen-Degranulationstest wird zum Nachweis einer Typ 1-Allergie angewendet. Er ist dann sinnvoll, wenn beispielsweise der Spiegel an freiem IgE im Blut sehr niedrig ist und man keine spezifische Aussage treffen kann. Bedenken Sie die niedrige Halbwertszeit von ungebundenem IgE. Liegt der Kontakt mit dem entsprechenden Antigen nun aber schon längere Zeit zurück oder verzehren Sie den betreffenden Stoff eher selten ist es nicht möglich freies IgE im Blut nachzuweisen. Deshalb empfiehlt es sich den BDT anzuwenden, der es erlaubt sogar nach über einem Jahr eine Sensibilisierung nachzuweisen. Stellen Sie sich vor Sie wurden gestochen und haben allergisch reagiert. In der Hektik konnten Sie aber nicht mehr sagen: war es eine Wespe oder eine Biene? Nun einige Zeit später möchten Sie aber doch wissen auf welches Gift sie reagieren. Die Lösung: Ein BDT auf Bienen- und Wespengift.

Haben Sie den Begriff Pseudoallergie schon einmal gehört? Auch für deren Nachweis ist der BDT nutzbar und sogar notwendig. Warum? Lassen Sie uns kurz den Begriff Pseudoallergie erklären: Diese Art der Allergie wird durch Pseudoallergene ausgelöst, wie z. B. Lebensmittelzusatzstoffe oder Stoffe in Arzneimitteln. Sie gelangen in den Körper und sind so beschaffen, dass sie ohne weitere Hilfe in Mastzellen oder Basophile eindringen können, was die Ausschüttung der Botenstoffe veranlasst, die die Allergiesymptome auslösen. Dafür sind keine IgE-Antikörper notwendig. Pseudoallergien sind also IgE-unabhängig, zeigen aber den gleichen klinischen Verlauf. Mittels Basophilen-Degranulationstest können verschiedene Stoffmischungen getestet werden, um den Verdacht weiter einzugrenzen und so dem pseudoallergischen “Übeltäter” auf die Spur zu kommen.

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Basophilen-Degranulatonstest IMD Labor Berlin
Basophilen-Degranulationstest (BDT)

IMD Labor Berlin

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Nachweis einer Typ 4-Allergie: die Grundlagen

Im Gegensatz zur Typ 1-Allergie, die Sofortreaktionen hervorruft, gehört die Typ 4-Allergie zum Spättyp. Symptome treten frühestens nach 24 Stunden auf. Sie wird auch nicht über Antikörper vermittelt, sondern durch sogenannte spezifische T-Lymphozyten. Was bedeutet das? Es gibt verschiedene T-Zellen. Jede T-Zelle hat eine Antenne an der Zelloberfläche, den T-Zell-Rezeptor (TCR). Jeder Rezeptor bzw. jede T-Zelle ist damit auf ein bestimmtes Allergen “spezialisiert”. T-Zellen erkennen also selektiv ein bestimmtes Antigen und werden durch dieses Antigen selektiv aktiviert. Das Antigen wird von einer Antigen-präsentierenden-Zelle gezeigt, die spezifische T-Zelle erkennt es und wird nach Bindung des Antigens an den T-Zell-Rezeptors zum Wachstum und zur Vermehrung angeregt. Neben dieser Proliferation setzten die aktivierten T-Zellen auch bestimmte Botenstoffe frei, die Entzündungen und allergische Symptome fördern. Zusammengefasst heißt das, dass eine Typ 4-Allergie anhand der Vermehrung von T-Lymphozyten und der freigesetzten Botenstoffe nachgewiesen werden kann.

Wie funktioniert ein Lymphozyten-Transformationstest (LTT)?

Wie auch der Basophilen Degranulationstest ist der Lymphozyten-Transformationstest (LTT) ein zellulärer Funktionstest. Es wird vom Patienten eine Blutprobe aus dem Vollblut verwendet. Die Probe wird zentrifugiert und die weißen Blutkörperchen isoliert. Sie werden dann in spezielle Laborplatten überführt und mit einem bestimmten Stoff aktiviert, d. h. sie werden “empfindlich” gemacht. Dann erfolgt der eigentliche Test: es werden die zu untersuchenden Allergene zu den Lymphozyten gegeben und es wird die zelluläre Reaktion über einen Zeitraum von 5 Tagen beobachtet. Zellen, die sich teilen, wachsen und vermehren müssen logischerweise auch ihr Erbgut vervielfältigen. Dem Wachstumsmedium, in dem die Zellen sich vermehren, wird ein radioaktiv markierter Stoff zugegeben (3H-Thymidin). Dieser Stoff wird bei der Vervielfältigung  in das Erbgut eingebaut. In einem speziellen Messgerät kann man über den Nachweis des radioaktiven Signals die Menge an neu gebildetem Erbgut messen. Die Werte sind ein Maß für das Wachstum bzw. die aktivierte Proliferation der Lymphozyten. Es wird der sogenannte Stimulationsindex ermittelt als Quotient aus Allergen-behandelten und unstimulierten Lymphozyten. Werte über 3 zeigen eine bestehende Sensibilisierung gegenüber einem bestimmten Allergen an.

Wann ist ein Lymphozyten-Transformationstest sinnvoll?

Bedenken Sie bitte, dass ein Lymphozyten-Transformationstest bereits zur speziellen Labordiagnostik gehört und bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Es muss bereits eine Sensibilisierung gegenüber dem Allergen stattgefunden haben. Der LTT kann also nur eine bereits bestehende Sensibliliserung nachweisen. Es ist aber durchaus möglich, dass eine Sensibilisierung vorliegt, aber die klinischen allergischen Symptome ausbleiben. Der Lymphozyten-Transformationstest ist die einzige Untersuchungsmethode aus dem Labor, die eine Typ 4-Allergie nachweisen kann. Und das auch noch systemisch, d. h. nicht nur Kontaktallergien, sondern auch Allergene, die nicht über die Haut aufgenommen werden, sondern über Schleimhäute und den Magen-Darm-Trakt.

Bei folgenden Indikationen ist der LTT der Allegietest der Wahl: Metallallergie, Medikamentenallergie, Allergie auf dentale Werkstoffe oder Prothesen, Allergie auf Zahnersatzbestandteile oder Implantate, Schadtoffe aus der Umwelt (Weichmacher, Flammschutzmittel).

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Lymphozyten-Transformationstest Genzimmun
3HT-Memory-Spot® Zellulärer funktionstest zur Überprüfung der allgemeinen und spezifischen Lymphozytenfunktion

GANZIMMUN Diagnostics AG

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Lymphozyten-Transformationstest vs. Patch-Test

Der sogenannte Epikutantest, oder auch Patch-Test genannt, wird zur Abklärung von Kontaktallergien verwendet (Typ 4-Allergie). Dazu wird ein Pflaster mit dem verdächtigen Allergen auf die Haut aufgebracht und nach mindestens 24 Stunden wird anhand der Hautreaktion eine Diagnose gestellt. Der Patch-Test weist also lokal eine Kontaktallergie nach. Doch was ist, wenn die Haut des Betroffenen so beschaffen ist, dass eine Auswertung nicht eindeutig möglich ist? Der Test wird auch direkt am Patienten durchgeführt, das birgt Risiken: zum einen könnten sich die klinischen Symptome verstärken oder aber es könnte eine bisher nicht da gewesene Sensibilisierung gegenüber einem getesteten Stoff induziert werden.

Hier zeigen sich nochmals die Vorteile des Lymphozyten-Transformationstests gegenüber dem herkömmlichen Patch-Test:  Es können auch Allergene nachgewiesen werden, die nicht über die Haut aufgenommen werden, d. h. es kann eine systemische Sensibilisierung nachgewiesen werden. Für den Patienten besteht beim LTT kein Risiko, da er nicht mit dem Allergen in Kontakt kommt. Und auch die Beschaffenheit seiner Haut spielt beim Allergietest keine Rolle. Der LTT ist sehr sensitiv und es werden falsch positive Ergebnisse minimiert. Eine Kommission des Robert-Koch-Institutes (“Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin”) hat die Vorteile des LTT 2008 bestätigt.

Was kostet die zelluläre Allergiediagnostik und wer führt sie durch?

Die zelluläre Allergiediagnostik kann nur von spezialisierten akkreditierten Laboren durchgeführt werden (z. B. GANZIMMUN Diagnostics AG oder das IMD Labor Berlin). Die Gewinnung der Blutprobe muss beim Hausarzt oder Heilpraktiker erfolgen, da eine venöse Blutabnahme gemacht wird. Zu beachten für Sie: die Blutprobe muss innerhalb von 24 Stunden im betreffenden Labor ankommen, da lebende Zellen für den Test isoliert und verwendet werden. Die Kosten für einen LTT-Test eines speziellen Allergen-Gemisches (z. B. Metalle oder Kunsstoffe allgemein) belaufen sich auf etwa 150 €. Die Kosten werden nur sehr selten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der BDT wird in den meisten Fällen übernommen. Ihr Therapeut sollte sich gut auf dem Gebiet der Allergiediagnostik auskennen. Derzeit arbeitet andrino an einem deutschlandweiten Therapeutenverzeichnis für Sie.

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