Histaminintoleranz – Ursachen und Bedeutung

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind in der Bevölkerung weit verbreitet und können verschiedene Ursachen haben. Die Histaminintoleranz zählt zu den Unverträgichkeiten, die nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auftreten können. Erfahren Sie in folgendem Beitrag alles Wissenswerte über den körpereigenen Stoff Histamin und wie eine Histaminintoleranz entstehen kann. Welche Lebensmittel sind sehr histaminreich? Wie erkenne ich, ob ich an einer Histaminose leide? Wer kann meine Histaminunverträglichkeit behandeln und wie? andrino gibt Ihnen in folgendem Beitrag Antwort auf Ihre Fragen.

Histaminintoleranz – Ursachen und Bedeutung

Was ist Histamin?

Histamin ist ein körpereigener Stoff. Wir können ihn selbst bilden und in speziellen Zellen, den Mastzellen speichern. Histamin gehört zu den sogenannten biogenen Aminen. Biogene Amine sind Stoffe, die sich beim Abbau von Proteinen bilden und kommen gehäuft in eiweißreichen Lebensmitteln vor. Die Aminosäure Histidin wird von Bakterien, die bevorzugt Eiweiße auf ihrem Speiseplan haben, verstoffwechselt und als Ergebnis entsteht Histamin.

Histamin ist ein Gewebshormon114 und Neurotransmitter196, also ein wichtiger Botenstoff in unserem Körper. Es sendet das Signal: „Abwehr und Entzündung starten! Sofort!“ bei allergischen Reaktionen oder bei Angriffen von Viren und Bakterien. Eigentlich sinnvoll, oder? Ja, nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig! Doch wenn allergische Reaktionen in Gang gesetzt werden, obwohl gar nichts da ist, auf was man in diesem Moment allergisch reagieren könnte, wird es heikel.

Was bedeutet Histaminintoleranz eigentlich?

Die Histaminintoleranz oder Histaminose ist eine Erkrankung, bei welcher laut Definition die individuelle Toleranzgrenze für Histamin überschritten ist. Man spricht auch von einer Histamin-Unverträglichkeit. Davon betroffen sind erstaunlicherweise zu 80% Frauen im mittleren Alter. Bei einer Intoleranz gegenüber Histamin ist häufig das Gleichgewicht zwischen Histaminzufuhr und Histaminabbau gestört und somit zu viel Histamin im Körper.

Das kann verschiedene Gründe haben. Es gibt zwei Enzyme79 im Körper, die dafür zuständig sind Histamin abzubauen: die Diaminooxidase (DAO) und die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT). Sind die beiden oder eines davon gestört oder gehemmt, kann Histamin nicht mehr ausreichend abgebaut werden. Es kann sein, dass die Funktion der Enzyme von Geburt an verlangsamt ist, d. h. es liegt eine genetische Ursache vor. Aber auch Nährstoffmängel können schuld sein, denn all unsere Enzyme brauchen bestimmte Nährstoffe als Cofaktoren, um überhaupt arbeiten zu können. Zu nennen sind die Vitamine B6, C und Kupfer. Auch bestimmte Medikamente oder Alkohol können die Aktivität der Enzyme blockieren.

Eine weitere Ursache für eine zu hohe Histaminkonzentration im Körper ist natürlich, wenn zu viel davon in den Körper aufgenommen wird, z. B. über histaminreiche oder verdorbene Lebensmittel. Histamin entsteht in Nahrungsmitteln oft deshalb, weil durch lange Lagerung bakterielle Enzyme die Aminosäure Histidin zu Histamin umsetzen. Histamin kann durch Einfrieren oder starkes Erhitzen leider nicht zerstört werden, weil es ein sehr stabiles Molekül ist.

Histamin ist in unserem Körper in den Mastzellen gespeichert. Sie setzen gespeichertes Histamin nach Kontakt mit bestimmten Lebensmittelbestandteilen explosionsartig frei. Sie werden sozusagen aktiviert. Das führt dazu, dass schlagartig große Mengen Histamin im Darm herumschwirren. Ein weiterer Aspekt, der das verschobene Gleichgewicht von Histaminzufuhr/Histaminabbau stören kann.

Welche Symptome können bei einer Histaminintoleranz auftreten?

Histamin ist wie bereits erwähnt ein Gewebshormon und kommt in nahezu all unseren Organen vor. Oder anders ausgedrückt: Es gibt in all unseren Organen Rezeptoren, die auf Histamin reagieren. Diese Rezeptoren reagieren wie eine Art Antenne auf Histamin-Signale. Deshalb sind die Symptome einer Histaminunverträglichkeit sehr vielschichtig.

Folgende Tabelle zeigt die häufigsten Symptome einer Histaminose in den betreffenden Organsystemen:

Organsystem Symptome
Herz-Kreislauf-System Niederiger Blutdruck (Hypotonie)

Herzrhythmusstörungen

Herzrasen (Tachykardie)

Zentrales Nervensystem Schwindel

Kopfschmerzen

Unruhe

Muskelzuckungen

Atemwege Laufende Nase

Asthma

Haut Flush (Hitzewallungen & gerötete Haut)

Juckreiz

Urticaria

Verdauungstrakt Starke Durchfälle (Diarrhö)

Bauchschmerzen

Übelkeit

Erbrechen

Blähungen

Urogenitaltrakt Menstruationsbeschwerden
Allgemeinbefinden Schlafstörungen

Müdigkeit

In welchen Lebensmitteln steckt besonders viel Histamin?

Sie fragen sich, was Sie bei einer Unverträglichkeit gegenüber HIstamin essen dürfen oder besser gesagt welche Lebensmittel Sie meiden sollten? Lange Lagerung von Lebensmitteln lässt hohe Mengen Histamin entstehen. Daher sind oft Konserven von hohem Histamingehalt betroffen.

Folgende Liste gibt Ihnen einen Überblick über histaminreiche Lebensmittel:

Lebensmittel-Gruppe Nahrungsmittel
Fisch Thunfisch

Sardine

Makrele

Hering

Fleisch Salami

Räucherfleisch

Gepökeltes

Getrocknetes

Gemüse Avocado

Spinat

Sauerkraut

Tomaten

Hülsenfrüchte

Obst Bananen

Kiwi

Erdbeeren

Ananas

Zitrusfrüchte

Käse (lang gereift) Camembert

Gouda

Bergkäse

Emmentaler

Parmesan

Schimmelkäse

Milchersatzprodukte (Sojamilch, Hafermilch)

Alkoholische Getränke Rotwein

Sekt

Champagner

Likör

Nichtalkoholische Getränke Energy-Drinks

Schwarzer Tee

Brennesseltee

Süssigkeiten Schokolade

Nougat

Kakao

Wie wird eine Histaminintoleranz getestet?

Es ist klar, dass das Gesamt-Histamin im Körper getestet werden kann. Dazu wird eine Blutprobe im Labor anaylsiert. Einen Einblick in den gesamten Histamin-Stoffwechsel erlaubt darüber hinaus ein Urintest. Im Urin kann man verschiedene Abbauprodukte aus dem Histamin-Stoffwechsel nachweisen und die Verhältnisse zueinander bestimmen. Die Kosten dafür betragen etwa 60 €.

Die entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer Histaminintoleranz hat die Funktion der Enzyme DAO und HNMT. Deshalb wird die Aktivität der beiden Enzyme gemessen (Kosten jeweils um die 25 €). Wenn sich ein Aktivitätsverlust abzeichnet muss zunächst geklärt werden, ob eine genetische Veränderung vorliegt (primärer Enzym-Mangel), oder ob äußere Einflüsse, wie z. B. Medikamente oder Alkohol die Enzyme hemmen (sekundärer Enzym-Mangel). Dazu wird ein entsprechender Gentest gemacht (Kosten um die 175 €).

Kann man genetische Ursachen ausschließen wird weiter nach den Ursachen gesucht. Es muss der Einfluss bestimmter Umweltgifte ausgeschlossen werden. Auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen können Ursache des Aktivitätsverlustes sein, denn 90% der nötigen Enzyme wird von Zellen der Darmschleimhaut gebildet. Folgender Beitrage erlauben Ihnen einen tieferen Einstieg in den Schauplatz Darm: „Leaky gut – Löcher wie ein Schweizer Käse?“

Darüber hinaus sollte eine Mineralstoffanalyse aus dem Vollblut gemacht werden. Die Enzymaktivität kann auch durch den Mangel an Cofaktoren gehemmt werden, z. B. Kupfermangel. Erfahren Sie im andrino Beitrag „Mineralstoffanalyse im Vollblut“ alles darüber.

Wie wird eine Histaminintoleranz behandelt?

Die Basis einer Therapie bei Histamin-Unverträglichkeit ist das Meiden und Reduzieren von histaminreichen Lebensmitteln. Anders ausgedrückt: eine histaminarme Diät ist die Behandlung der Wahl. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen gegeben ist. Erinnern Sie sich: die Histamin-abbauenden Enzyme brauchen Cofaktoren, wie Kupfer und Vitamin B6.

Konnten andere mögliche Ursachen gefunden werden, wie z. B. eine chronisch entzündete Darmschleimhaut, gilt es diese Entzündung einzudämmen. Ist die Histaminintoleranz nicht genetisch bedingt, lässt sie sich mit den richtigen Methoden meist in den Griff bekommen. Die Biologische Medizin hat dafür mehrere erfolgversprechende Ansätze parat.

Wichtig ist, dass Sie sich in die richtigen therapeutischen Hände begeben. Unser andrino Therapeutenverzeichnis hilft Ihnen dabei in Ihrer Nähe einen geeigneten Spezialisten zu finden. Es befindet sich derzeit im Aufbau. Er sollte sich auf den Gebieten der Orthomolekularen Therapie und Darmsanierung auskennen.

Expertenwissen zum Thema

Einführung in die Biologische Medizin

Isabell Lang hat Diplom-Biologie studiert und im biomedizinischen Bereich promoviert. Sie hat etliche Jahre in der klinischen Krebsforschung gearbeitet und in Fachzeitschriften zahlreiche Artikel veröffentlicht. Sie kennt die biochemischen Zusammenhänge im Detail und kann Studien kritisch und kompetent hinterfragen. Isabell liegt es am Herzen, ihr Wissen an chronisch kranke Menschen einfach und verständlich weiterzugeben.




besser länger leben

andrino möchte chronisch kranken Menschen auf ihrem Weg zu einer höheren Lebensqualität helfen. andrino ist Ausdruck der gemeinsamen Vision, chronischen Krankheiten wirkungsvoll zu begegnen - gemeinnützig, unabhängig und nicht Profit orientiert.

Mehr erfahren