Leaky gut – Löcher wie ein Schweizer Käse?

Leaky gut, ein undichter Darm, was soll das denn sein? Kann ein Darm “leck” sein und wenn ja, tut das weh? Und überhaupt, was hat das mit meiner chronischen Erkrankung zu tun? Sie werden es nicht glauben, aber wahrhaftig eine ganze Menge!

Vielleicht kennen Sie den Ausdruck ja sogar bereits? Für die Biologische Medizin jedenfalls nichts Neues, erfreut sich das Phänomen in den letzten Jahren doch wachsender Bekanntheit. Möglicherweise wegen der mittlerweile beachtlichen Popularität unserer Darmflora. Sogar Wikipedia hat mittlerweile einen Eintrag “Leaky-gut-Syndrom”. Der Leaky gut spielt bei sehr, sehr vielen chronischen Erkrankungen, besonders bei chronisch entzündlichen Erkrankungen, bei Reizdarm und bei allen Autoimmunerkrankungen eine sehr entscheidende Rolle! Seien Sie sicher: solange Ihr Darm undicht ist, werden Sie Ihre chronische Erkrankung nicht heilen können, trotz vieler anderer Anstrengungen und Maßnahmen. Das heimtückische daran: ein Leaky gut ist nicht schmerzhaft und oftmals über viele Jahre symptomlos! Gängige Diagnostikverfahren wie Darmspiegelung, Röntgen oder MRT188, oder die Messung von Entzündungsparametern im Standardlabor, die unsere Darmspezialisten derzeit einsetzen, Abkürzung für Magnetresonanztomografie. Synonym für Kernspintomografie: Computergestütztes, bildgebendes Verfahren, das im Gegensatz zur Computertomografie ohne ionisierende Strahlung auskommt und ebenfalls eine schichtweise Darstellung des Körpers ermöglicht können ein Leaky-gut-Syndrom leider nicht nachweisen. Dazu braucht es spezielle Tests, die wir Ihnen auf andrino näher vorstellen.

Folgender Artikel versinnbildlicht Ihnen das Phänomen Leaky-gut-Syndrom auf anschauliche Art und Weise. Entdecken Sie, was einen durchlässigen Darm genau definiert, wie er entstehen kann und wie er Ihre chronische Erkrankung unterschwellig anfeuert.

Was bedeutet Leaky gut?

Der Leaky gutugsp: “löchriger Darm”: geschädigte Barriere der Darmschleimhaut [deutsch: löchriger Darm] ist ein anderes Wort für „undichte Schleimhaut“. Und tatsächlich, bei einem Leaky-gut-Syndrom weist die Schleimhaut unseres Darms eine Art löchrige Landschaft auf. Die Bezeichnung “Leaky gut” ist allerdings stark vereinfacht. Ein Leaky-gut-Syndrom geht nämlich weit über ein paar Löcher im Darm hinaus. Beim Leaky-gut-Syndrom sind alle Strukturen der Darmschleimhaut betroffen. Im Grunde handelt es sich um eine Funktionseinschränkung der kompletten Darmschleimhaut. Die Darmschleimhautbarriere wird leck. Ein Leaky-gut-Syndrom entsteht schleichend, über viele Jahre hinweg. Oftmals bleibt es unbemerkt, kann unbehandelt allerdings zu chronischen Beschwerden führen.

So führt ein Leaky-gut-Syndrom zur chronischen Erkrankung

Bei einem durchlässigen Darm gelangen fremde Substanzen (Antigene13) unkontrolliert unter die Darmschleimhaut und überfordern das ansässige Immunsystem. Es reagiert zunächst mit einer lokalen Entzündung. Weil diese Entzündungen über ein Standard-Blutbild nicht erfasst werden, wird dieses Phänomen als “Silent Inflammation” [deutsch: stille Entzündung] bezeichnet. Wird der löchrige Darm nicht behoben, kann die Entzündung systemisch werden. Chronische Entzündungen sind für den Körper äußerst problematisch. Sie sind der zentrale Trigger bei der Entstehung von Multisystemerkrankungen. Das fatale daran: Sind schwelende, chronische Entzündungen erst einmal im Gange, wird die Schleimhaut weiter geschwächt und die Durchlässigkeit im Darm zunehmend erhöht. Ein fieser Teufelskreis entsteht.

Leaky gut und chronisch krank? Was Sie wissen sollten

Sie fragen sich, warum die Behandlung eines Leaky gut wichtig für eine erfolgreiche Therapie Ihrer chronischen Erkrankung ist? Stellen Sie sich so ein Loch im Darm einmal wie ein massives Tor einer Ritterburg vor. Sie wissen, die Pforte hinter dem Burggraben dient als Schleuse und Schutz für Ihre Burg. Im Falle Ihres Körpers als Schutz vor Fremdkörpern, Bakterien und Viren. Solange die Türe geschlossen ist, kann Ihre Burg (Ihr Körper) vom Feind nur schwer eingenommen werden. Es sei denn, er untergräbt das Burgfundament oder findet einen Weg über die Burgmauer. Ist das Tor aber erst einmal unbewacht und dauerhaft geöffnet (Leaky gut!), strömt der Feind ungehindert in Ihre Burg (Ihren Körper) und Sie haben eigentlich keine Chance mehr sich zu verteidigen. Sie schicken alle Soldaten an die Front. Ihr Körper tut das gleiche mit Ihrem Immunsystem. Eine wilde Schlacht entsteht. Das Immunsystem reagiert mit Entzündung, die dann chronisch wird, wenn die Pforte (der Leaky gut) weiterhin und dauerhaft geöffnet bleibt. Bei einem Leaky-gut-Syndrom ist genau das der Fall. Chronische Entzündung ist ein entscheidender Krankheitsmechanismus, der zur Entstehung von vielen chronischen Erkrankungen führt.

Eine undichte Schleimhaut steht am Anfang von sehr, sehr vielen chronischen Erkrankungen!

Was soll Ihnen diese Anekdote veranschaulichen? Der Leaky gut (erhöhte Darmdurchlässigkeit) ist nicht als eigentliche Ursache einer chronischen Erkrankung anzusehen. Ursächlich sind Faktoren, die zur Öffnung der Pforte geführt haben (z. B. Medikamente, Ernährung, chronischer Stress). Der Leaky gut bietet aber die entscheidende Voraussetzung dafür, dass viele chronische Erkrankungen überhaupt erst entstehen können oder verstärkt werden!

Pathogene Bakterien versuchen gewaltsam in den Körpter einzudringen

Aufbau der Darmschleimhaut

Unser Darm hat zwei ganz entscheidende Funktionen. Zum einen muss er Nährstoffe aufnehmen, zum anderen aber auch Fremdkörper und pathogene217 Mikroorganismen wie Viren und Bakterien abwehren. Das klingt simpel, ist aber in Wirklichkeit eine echte Herausforderung! Stellen Sie sich nur einmal vor, egal was Sie essen oder trinken, der Darm muss jedes Mal neu entscheiden: Was lasse ich rein, was kann ich verwerten und was bleibt lieber draußen. Diese komplexe Aufgabe erfordert die Mithilfe mehrerer Strukturen. Aufgebaut wie ein Sandwich besteht unsere Darmschleimhaut deshalb aus mehreren unterschiedlichen Schichten, die gemeinsam dazu beitragen, dass die Barrierefunktion (Integrität) der Schleimhaut ständig aufrechterhalten wird.

Die Schleimhaut des Darms stellt die entscheidende Trennung, die Grenzfläche, zwischen Darmlumen (außen) und Körper (innen) dar.

Von außen (apikal) nach innen (basolateral) besteht die Darmschleimhaut aus:

  • Darmflora: Schleim und Bakterien
  • Epithel: Eine einlagige Zellschicht
  • Basallamina: Fundament, in die das Epithel verankert ist
  • Lamina propria: Eine Bindegewebsschicht mit Zellen des Darm-assoziierten Immunsystems, in die Blutgefäße enden

Die Epithelschicht: Herzstück der Darmschleimhaut

Inmitten der Darmschleimhaut thront eine einlagige Zellschicht, das sogenannte EpithelSyn. Deck- oder Abschluss-Gewebe: Einlagige Zellschicht. Oberste bzw. Äußerste Zellschicht des tierischen und menschlichen Haut- und Schleimhautgewebes. . Die Epithelschicht gehört zum Deck- bzw. Drüsengewebe und ist nur wenige tausendstel Millimeter stark. Diese eine Zellschicht ist es, die unseren Körper tatsächlich mechanisch nach außen abschirmt, gleichzeitig aber auch die Nährstoffaufnahme bewerkstelligt. Die Zellen des Epithels, die Epithelzellen, sind deshalb hochspezialisiert.

Epithelzellen im Darm kommen im Wesentlichen als zwei Zelltypen vor:

  • Typ 1: resorbierendeSubstantiv Resorption oder enterale Resorption. Aufnahme der Nahrungsstoffe aus dem Lumen des Verdauungstrakts in die Körperflüssigkeiten Epithelzellen (Aufnahme von Partikeln und Nährstoffen)
  • Typ 2: Schleim produzierende Becherzellen (Produktion des Darmschleims)

Der gesunde Darm hat eine geringe Darmdurchlässigkeit

Die Zwischenräume zwischen den Epithelzellen sind durch spezielle Zellverbindungen (Tight JunctionsSpezielle Zellkontakte, die als mechanische Barriere fungieren. Epithelzellen werden über bestimmte Membranproteine (Occludine) reißverschlussartig aneinander geheftet und Adhärens JunctionsSpezielle Zellkontakte, über die Epithelzellen miteinander verknüpft sind. Über Adhärens Junctions sind die Zellskelette der einzelnen Epithelzellen untereinander verbunden. Adhärens Junctions dienen der Koordination der Bewegung im Zellverband) miteinander verbunden. Stellen Sie sich diese Tight Junctions wie Klettverschlüsse vor. Untereinander ganz eng verknüpft, dichten Sie nach außen zuverlässig ab, stehen aber dennoch untereinander im regen Stoffaustausch. Auf die Art und Weise wird das Eindringen unerwünschter Viren und Bakterien erfolgreich verhindert, während Nahrungsbestandteile (z. B. Kohlenhydrate, Vitamine und Fette) durch die Epithelzellen hindurch gezielt aufgenommen werden. Die Schleuse erfolgt äußerst kontrolliert durch spezielle Transportsysteme. Der Vorteil dabei: dem darunterliegenden Immunsystem werden alle aufgenommenen Bestandteile (Antigene13) in Häppchen präsentiert. So kann das Immunsystem für jede einzelne Substanz eine gesunde Toleranz entwickeln und lernt vor allem im Kindesalter verwertbar von nicht brauchbar oder gar fremd zu unterscheiden.

Stabile Darmschleimhaut: So helfen Darmschleim und Darmbakterien

Um die vollständige Barrierefunktion des Darms bestmöglich bewerkstelligen zu können, hat sich unser Darm im Laufe von Millionen Jahren Hilfe geholt: unsere Darmbakterien. Die nützlichen Helferlein werden auch Darmflora51 genannt. Sie übernehmen einen großen Teil der wertvollen Schutzfunktion im Darm. Wo genau leben die Darmbakterien? Auf der Epithelschicht (zum Darmlumen hin) befindet sich eine dichte Schleimschicht (daher auch der Name Schleimhaut). Der Schleim wird kontinuierlich von spezialisierten Epithelzellen, den sogenannten Becherzellen, produziert und mit dem Stuhl auch in geringen Mengen wieder ausgeschieden. Patienten mit chronischer Obstipation203 oder Reizdarm klagen oftmals über vermehrte Schleimbeimengungen im Stuhl, was ein Hinweis auf erste Veränderungen an den Epithelzellen sein kann. Der Schleim besteht aus fadenförmigen Molekülen, die sich zu einem Netz formieren, in dessen Maschen Wasser eingelagert wird. Der Darmschleim bietet unserer Darmflora einen attraktiven Lebensraum, Nahrung und konstante Milieu- und Temperaturbedingungen. Eingebettet in den Schleim finden ca. 2 kg Mikroorganismen Platz. Was aber springt für uns dabei raus? Stoffwechselprodukte der Darmflora (Aminosäuren und Vitamine) benötigen unsere Epithelzellen für ihre Regeneration, die permanent stattfindet. Die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Bakterien wird in der Biologie mit dem Fachbegriff Symbiose betitelt.

Im Überblick: So ist unsere Darmflora für unseren Schleimhautschutz tätig:

  • Aufschlüsselung von Nährstoffen (v. a. Ballaststoffe),
  • Produktion essentieller Mikronährstoffe (z. B. Vitamin K, Folsäure oder Vitamin B12),
  • Hilfe bei der Produktion von”Munition” (z. B. ß-Defensine),
  • Bereitstellung von Aminosäuren und Vitaminen für die Regeneration der Epithelschicht,
  • Verdrängung von unerwünschten Mikroorganismen und Pilzen sowie
  • Training unseres Darm-assoziierten Immunsystems.

Weitere wichtige Bestandteile der Darmschleimhaut

Was befindet sich eigentlich unter der mit Schleim bedeckten Epithelschicht und wie kommen die Nährstoffe letztendlich in unseren Blutkreislauf? Tatsächlich endet die Darmschleimhaut nicht mit der epithelialen Schicht. Ganz im Gegenteil, unter dem Epithel befindet sich eine gelartige Struktur aus speziellen Kollagenfasern, die das aufliegende Epithel stabilisiert, fixiert und begrenzt. Sie wird als Basallamina bezeichnet. Epithelzellen sind durch spezielle Haftkomplexe darin verankert. Als weitere, zusätzliche mechanische Barriere trennt die Basallamina die Epithelschicht von der noch einen Stock tiefer liegenden Lamina propria. Eine lose Bindegewebsschicht aus Fibroblasten, Immunzellen und Blutgefäßen. In der Lamina propria findet die eigentliche Nährstoffaufnahme in das Blutkreislaufsystem statt. Hier wird unser Immunsystem trainiert und hier entstehen auch chronische Entzündungen, wenn unsere Darmschleimhaut undicht wird.

Aufbau einer intakten Darmschleimhaut

Darm-Immunsystem: So entstehen Allergien, Autoimmunerkrankungen und Co.

Die Darmschleimhaut arbeitet ganz eng mit unserem Immunsystem zusammen. Das Darm-Immunsystem hat deshalb auch einen eigenen Namen verdient: Darm-assoziiertes Immunsystem [GALT: engl. gut associated lymphoid tissue]. Das Darm-Immunsystem in der Lamina propria übernimmt die erste Verteidigungslinie [engl. „first line of defense“]. Was heißt das konkret? Eintreffende Viren, Bakterien und Fremdproteine im Darm werden ständig ohne hohe Trefferquote, sozusagen mit viel Schrotschuss-Munition, bombardiert, “gefressen” und analysiert. Blindlings wird so das schlimmste Übel abgewehrt. Diese Aufgabe wird größtenteils durch spezielle weiße Blutkörperchen (Lymphozyten165) bewerkstelligt. Epithelzellen helfen bei der Produktion und Ausschleusung der “Munition” in das Darmlumen.

Die “First line of defense” beinhaltet:

  • die direkte Eliminierung von infizierten Zellen oder Eindringlingen (Fressen),
  • die Abgabe von speziellen Immunglobulinen, den sekretorischen Immunglobulinen A (sIgA),
  • die Abgabe von speziellen Eiweißkörperchen (ß-Defensine) und
  • die Aufnahme von bestimmten Antigenen13 und deren kontrollierte Präsentation vor dem Immunsystem. Dabei wird das Immunsystem zur Produktion von spezifischen Antikörpern angeregt, die bei einem möglichen Zweitkontakt das Antigen (Toxin) direkt und schnell eliminieren.

Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren des Immunsystems im Darm ist seine Fähigkeit, zwischen “Freund” (z. B. körpereigenen Zellen oder harmlosen Nahrungsbestandteilen) und “Feind” (z. B. Pathogenen und Tumorzellen) unterscheiden zu können. Einen “Feind” zu übersehen, kann eine üble Infektion oder eine Krebserkrankung zur Folge haben. Andererseits führt eine Reaktion gegen “normale” körpereigene Zellen zu einem Überschießen der Immunreaktion und so zu Autoimmunerkrankungen. Allergien entstehen dann, wenn das Immunsystem harmlose Fremdstoffe als gefährlich klassifiziert und bekämpft.

Im Überblick: Die Darmschleimhaut kurz und knapp

  1. Strukturell besteht die Darmschleimhaut von außen (Darmlumen) nach innen (Körperinneres) aus Schleim, Epithelzellen, Basalmembran und Lamina Propria
  2. Funktionell müssen Darmflora und Darm-Immunsystem dazu gerechnet werden. Sie tragen einen entscheidenden Anteil an der Schleimhautbarriere
  3. Die Schutzbarriere der Darmschleimhaut wird durch folgende Strukturen und Mechanismen gewährleistet: Darmflora, Tight-junctions zwischen den Epithelzellen, Basallamina, immunologische Schutzmechanismen wie sIgA und ß-Defensine

Lecke, Risse oder Spalten: Wie genau sehen die Löcher beim Leaky gut aus?

Wie stellen Sie sich einen durchlässigen Darm vor? Sind da große Löcher in der Darmschleimhaut, vielleicht ähnlich wie bei einem Schweizer Käse? Nicht ganz, aber vergleichbar wie bei den Löchern im Käse zeigt eine undichte Schleimhaut kein absolutes, definiertes Aussehen. Aber ja, die “Löcher” gibt es wirklich und ein Leaky gut ist tatsächlich ein reales Phänomen. Bei einem Leaky-gut-Syndrom verlieren die Epithelzellen ihre enge Haftung zueinander. Die Tight Junctions lockern sich. Durch bestimmte Reize produzieren die Epithelzellen ein besonderes Regulatorprotein, das an spezielle Rezeptoren260 auf der Darmschleimhaut bindet. Es heißt Zonulin. Zonulin setzt in Epithelzellen biochemische Prozesse in Gang, welche die engen Haftkomplexe zwischen den Zellen direkt aktiv erweitert und die Zellen auseinanderdriften lässt. Die berühmten Löcher entstehen. Ein Leaky-gut-Syndrom geht aus biologischer Sicht weit über die Löcher hinaus. Beim undichten Darm gerät das ganze System Darmschleimhaut inklusive Darm-Immunsystem aus der Balance.

Ein Leaky-gut-Syndrom ist gekennzeichnet durch:

  • eine dünner werdende Schleimschicht
  • eine Reduktion der Menge an sIgA. Je dünner die Schleimschicht, umso weniger sIgA wird von den Epithelzellen abgegeben
  • eine meist kranke Darmflora, sogenannte Darm-Dysbiosegestörtes Gleichgewicht zwischen den Bakterienarten im Darm, z. B. durch Ansiedelung von pathogenen Keimen und Pilzen (wie Candida)
  • eine verminderte Abkürzung für enterale Resorption. Aufnahme der Nahrungsstoffe aus dem Lumen des Verdauungstrakts in die Körperflüssigkeiten Aufnahme von Nährstoffen im Darm (Resorptionsstörung)
  • eine Lockerung der Tight Junctions mit Lücken zwischen den Epithelzellen der Darmschleimhaut
  • ein unkontrolliertes Eindringen von Antigenen zwischen den Epithelzellen der Schleimhaut. Beispiele sind Bakterien, Nahrungsmittelbestandteile, Schwermetalle oder weitere Umwelttoxine
  • Eine Entzündung des Immunsystems unterhalb der Darmschleimhaut
Aufbau der Darmschleimhaut und die Wirkung von stillen Entzündungen und des Darm-assoziierten Immunsystems

Wie entsteht ein Leaky-gut-Syndrom?

Prinzipiell gilt: Eine undichte Darmschleimhaut wird durch folgende zwei Hauptmechanismen bedingt:

  • Von “Außen”- Durch eine kranke Darmflora (DysbioseKrankheitsprozess, der durch eine, qualitativ oder quantitativ von der Norm abweichende Bakterienflora im Darm (Ungleichgewicht der Darmflora) ausgelöst wird)
  • Von “Innen”- Über die sogenannte Bauch-Hirn-Achse durch chronischen Stress

Bei fortgeschrittenen chronischen Erkrankungen, die nach Reckeweg über dem “Biologischen Schnitt” liegen, spielen nicht selten beide Mechanismen eine Rolle.

Die kranke Darmflora

Das Ökosystem Darmschleim ist ein sensibles Gleichgewicht aus Schleimmolekülen, Bakterienkulturen und Ballaststoffzufuhr. Wird es gestört, z. B. durch eine zuckerreiche und ballaststoffarme Ernährung, wird die Schleimschicht dünner, die Epithelzellen sind unterversorgt und regenerieren schlechter. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, kann sich daraus ein Leaky-gut-Syndrom entwickeln.

Eine ausgewogene Darmflora und eine gesunde Schleimproduktion sind die Voraussetzung für eine intakte Epithelschicht und damit für einen dichten Darm.

Eine veränderte MikrofloraMikroflora im Darm. Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen bietet dem Darm-Immunsystem einerseits ein unzureichendes Immuntraining und führt andererseits über Milieuveränderungen zu einer Schwächung der Funktionen der Epithelschicht. Was heißt das konkret? ß-Defensine werden vermindert gebildet, unerwünschte Bakterien und Pilze können sich ansiedeln und lockern durch ihre Stoffwechselprodukte aktiv die Schleimhaut. Die fehlenden Aminosäuren und Vitamine der gesunden Darmflora lassen Epithelzellen unzureichend regenerieren. Die Schleimproduktion leidet. Die dünner werdende Schleimschicht veranlasst die Epithelzellen vermehrt Schleim-produzierende Becherzellen zu bilden. Dies allerdings geht zulasten der Epithelzellen, die Nährstoffe aufnehmen. Betroffene mit einer kranken Darmflora und einem Leaky-gut-Syndrom leiden deshalb nicht selten an Symptomen wie Mikronährstoffmängel, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten (Verstopfung, Durchfall oder Reizdarm), Krämpfe und Nahrungsmittelintoleranzen und Unverträglichkeiten, z. B. gegen Gluten.

Sie wollen wissen, warum Gluten, Milch und Medikamente Ihre Darmflora krank machen? Folgender Beitrag gibt Ihnen hierzu einen tieferen Einstieg: “Intakte Darmflora – Welche Faktoren sind entscheidend?

Chronischer Stress

Nicht alle Patienten mit einem Leaky-gut-Syndrom zeigen eine kranke Darmflora oder Stuhlunregelmäßigkeiten. Biologische Mediziner berichten häufig von Patienten mit chronischen Erkrankungen, bei denen Stress eine große Rolle spielt. Beispiele sind Parkinson, Reizdarm oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Solche Patienten zeigen eindeutig erhöhte Zonulin-Werte, die Darmflora ist in Diversität und Menge in der Stuhlprobe aber völlig unauffällig.

Das kann sein und ist leider nicht ungewöhnlich! In solchen Fällen wird das Leaky-gut-Syndrom nämlich über das Nervensystem im Darm initiiert, also von “innen”. Vielleicht haben Sie schon einmal den Begriff Bauchhirn gehört? Unterhalb der Lamina propria befindet sich ein riesiges und verzweigtes Netzwerk aus Nervenzellen. Das Darm-Nervensystem. Es ist dem körperweiten autonomen, vegetativenSynonym für autonomes Nervensystem: Willentlich nicht beeinflussbares Nervensystem. Steuert lebenswichtige Prozesse wie die Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Ausscheidung, Körpertemperatur, Blutdruck und Herztätigkeit. Besteht aus Sympathikus (Aktivierung) und Parasympathikus (Entspannung) sowie dem Darmwandnervensystem. Nervensystem zugehörig und mit dem Gehirn eng verschaltet. Die Verbindung zum Gehirn wird in der Medizin als sogenannte Bauchhirn-Achse bezeichnet.

Jeder Mensch besitzt drei verschiedene Nervensysteme:

  •  das zentrale Nervensystem (ZNS, Gehirn und Rückenmark),
  •  das autonome Nervensystem (vegetatives Nervensystem) und
  •  das enterale Nervensystem (Darmnervensystem).

Diese drei Nervensysteme stehen in ständiger Kommunikation miteinander, die normalerweise „geräuschlos“ verläuft. Bauchhirn und Großhirn tauschen sich aus über Botenstoffe, durch Nervenimpulse und mittels Hormonen. Leider gibt es viele Faktoren, die zu gefährlichen Kommunikationsänderungen führen können. Dazu gehören u. a. eine instabile Darmflora, Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen    eine erhöhte Durchlässigkeit der Schleimhaut, eine Syn. Durchlässigkeitverminderte Produktion des Glückshormons Serotonin, chronische Entzündungen aber auch chronischer Stress.

Das Glückshormon Serotonin zum Beispiel wird zum größten Teil in speziellen Becherzellen des Darms produziert. Über die Bauchhirn-Achse steht Serotonin dann auch dem Zentralnervensystem zur Verfügung. Eine defekte Darmschleimhaut senkt allerdings die Serotonin-Produktion. Patienten mit Depressionen leiden daher nicht selten an einem Leaky-gut-Syndrom. Die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn funktioniert aber in beide Richtungen. Sehen wir uns folgendes Beispiel an: Das Bauchhirn kann z. B. bei Darmexkrementen die Aggregatzustände „fest“ und „gasförmig“ unterscheiden. Meldet es „fest“ ans Großhirn, werden Örtlichkeit und Situation gecheckt und dann ggf. das Signal “Relaxation“ übermittelt. Wir machen unser „großes Geschäft“. Meldet das Bauchhirn „gasförmig“, prüft das Großhirn die gesellschaftliche Umgebung, Distanzen usw., drosselt ggf. die Dezibel und befiehlt je nach Situation Relaxation oder Retention (Pupsen vermeiden wir meist in der Öffentlichkeit). Den Aggregatszustand „flüssig“ kennt das Bauchhirn nicht. In diesem Fall entscheidet der Zufallsgenerator.

Ein richtig fatales Signal, das vom Großhirn direkt an den Darm gesendet wird, ist psychosozialer Stress. Chronischer Stress und seine biochemischen Folgen im Körper werden durch den aktivierenden Teil unseres autonomen Nervensystems unterhalten, den Sympathikus. Sympathische Nervenfasern durchziehen auch die gesamte Darmwand. Sicherlich ist Ihnen das Phänomen sogar bekannt. Denken Sie einmal an Stress und Durchfall oder Stress und die Bildung von Magengeschwüren. Das “Stresssignal” beeinflusst aber auch direkt die Durchlässigkeit der Tight Junctions in der Schleimhaut.

Einige Biologische Mediziner postulieren, dass chronischer Stress der häufigste und stärkste Trigger für die Ausbildung eines Leaky-gut-Syndroms ist.

Im Querschnitt führt chronischer Stress zu:

  • einer Dezimierung der gesunden, milchsäurebildenden Darmflora (z. B. Lactobazillen und Bifidobakterien),
  • der direkten Erhöhung der Durchlässigkeit der Tight Junctions über Zonulin
  • zur Ausschüttung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Cortisol hemmt massiv die Regeneration und das Wachstum der Darmzellen, Adrenalin macht die Darmwand durchlässiger
  • einer verminderten Dünndarm Motilität mit Wachstumsvorteil für die Fäulnisflora

Wenn Sie sich für das Thema Stressmanagement interessieren, werden Sie unter der Basismethode Psyche/Erholung fündig.

Welche Symptome weisen auf einen Leaky gut hin?

Ein Leaky gut Syndrom kann völlig Symptomlos sein. Vor allem Patienten, bei denen der löchrige Darm in erster Linie durch chronischen Stress bedingt wurde, zeigen unter Umständen keine spezifischen Leaky gut Symptome. In solchen Fällen ist die chronische Erkrankung selbst der Hinweis darauf.

Folgende Beschwerden können indirekt auf das Vorliegen eines Leaky-gut-Syndroms hinweisen:

  • wiederkehrende Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Verstopfung, Blähungen)
  • Müdigkeit
  • Chronische Infekte und Infektneigung
  • Hautprobleme
  • Migräne
  • Vitamin- und Mineralstoffmangel
  • Bauchschmerzen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Allergien
  • Gelenk- und Muskelschmerzen

Gibt es eine chronische Erkrankung, bei der ein Leaky gut zweifellos vorliegt?

“Jein”, prinzipiell sollte bei jeder chronischen Erkrankung die Existenz eines Leaky-gut-Syndroms überprüft werden. Chronische Erkrankungen, bei denen ein Leaky-gut-Syndromugsp: “löchriger Darm”: geschädigte Barriere der Darmschleimhaut und chronische Entzündungen (silent inflammations)Syn. chronisch stille Entzündungen: Versteckte Entzündungen im Organismus, Zunächst ohne klinische Symptomatik. Beschäftigen und Beeinflussen das Immunsystem. Wichtige Trigger für chronische Erkrankungen aber eine besonders häufig vorkommen sind:

Wie wird ein Leaky-gut-Syndrom behandelt?

Die Therapie eines löchrigen Darms sollte die Basis jeder weiteren biologisch-medizinischen Therapie sein. Im Wesentlichen geht es darum, die Barrierefunktion des Darms wiederherzustellen und die Darmschleimhaut zu regenerieren. Aber geht das überhaupt? Ja, zum Glück, unter Therapie können sich die Epithelzellen vollständig regenerieren. Ein löchriger Darm ist also prinzipiell reversibel heilbar.

Für eine vollständige Genesung müssen Sie allerdings etwas Durchhaltevermögen beweisen. Die zugehörige biologisch-medizinische Methode nennt sich Darmsanierung oder Mikrobiologische Therapie. Eine erfolgreiche Therapie des Leaky-gut-Syndroms erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, die je nach Ursache eine Schleimhauttherapie, eine bakterielle Behandlung, Stressabbau oder eine Anti-Entzündliche Therapie mit Ernährungsumstellung und die gezielte Zufuhr von Mikronährstoffen erfordert.

Für den nachhaltigen Erfolg ist in der Regel die Zusammenarbeit mit einem Arzt oder Therapeuten erforderlich. Da viele Strukturen der Darmschleimhaut, die Darmflora und auch das Immunsystem beteiligt sein müssen, brauchen Sie unbedingt den allumfassenden ganzheitlichen Ansatz. Einen Leaky-gut Spezialisten finden Sie unter den Therapeuten, die sich mit Darmsanierung bzw. Mikrobiologischer Therapie auskennen. Bleiben Sie auf dem Laufenden. andrino arbeitet derzeit für Sie an einem Deutschlandweiten Therapeutenverzeichnis.

Zu den therapeutischen Maßnahmen eines Leaky-gut-Syndroms gehören:

  • die Schaffung eines idealen bakteriellen Milieus durch nachhaltige Ernährungsanpassung und systematische Einnahme von Präbiotika,Lebensmittelinhaltsstoffe, die unverdaut Magen- und Dünndarm passieren und selektiv Wachstum und Aktivität der Darmflora fördern. Beispiele sind Ballaststoffe, Inulin oder Lactulose
  • die Stärkung der Darmschleimhaut mittels gezielter Schleimhauttherapie, z. B. durch L-Glutamin,
  • eine beständige Zufuhr von Bakterien in hochkonzentrierter Form durch hochwertige ProbiotikaLebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge verabreicht, einen gesundheitlichen Nutzen haben. Beispiele sind Milchsäurebakterien oder Bifidobakterien, individuell nach Darmflora-Analyse. Die Gabe der bakteriellen Präparate erfolgt mitunter über mehrere Wochen bis Monate,
  • gegebenenfalls eine Stressbehandlung und Stressbewältigung.

Weiterführende Informationen über die erfolgreiche Therapie des Leaky-gut-Syndroms finden Sie auf andrino im Beitrag “Darmsanierung – Erfolgsrezept bei chronischen Erkrankungen”

Wie können Sie einen Leaky gut feststellen?

Eine Testung auf ein Leaky-gut-Syndrom wird von ganzheitlich orientierten Ärzten und Therapeuten veranlasst. In der Regel werden die Leaky gut Werte aus einer Stuhlprobe oder aus einer Blutprobe entnommen. Für die Beurteilung nutzt die Biologische Medizin einige sehr zuverlässige Biomarker36. Einer der wichtigsten Laborparameter ist das Zonulin. Je nach Erkrankung oder Krankengeschichte wird Ihr Arzt oder Therapeut neben spezifischen Leaky Gut Markern weitere Untersuchungen veranlassen, die den Zustand des Darm-Immunsystems, der Darmflora und der Schleimhaut beurteilen.

Welche Werte genau beim Leaky gut infrage kommen, finden Sie in folgendem Beitrag: “Leaky gut effektiv testen“.

Unser andrino Tipp beim Leaky-gut-Syndrom

Ein undichter Darm spielt bei der Entstehung vieler chronischer Erkrankungen eine wesentliche Rolle. Machen Sie aber nicht den Fehler ihn als Ursache verantwortlich zu machen. Ursächlich sind Aspekte und Faktoren, die Ihren Leaky-gut initiiert haben. Dazu gehören chronischer Stress, Fehlernährung (z. B. glutenreich, Zuckerreich) und Medikamente (vor allem Antibiotika).

Um die krankheitsbezogenen Prozesse in Ihrem Körper zu stoppen, ist die Wiederherstellung der Darmintegrität unerlässlich für die kurative Therapie Ihrer chronischen Erkrankung. Das Schließen der Löcher und die Wiederherstellung der Schleimhautintegrität ist machbar, fordert aber Ihre Mithilfe und Geduld.

Die fünf wesentlichen empfohlenen Therapiebausteine belaufen sich auf:

  • eine ballaststoffreiche und antientzündliche Ernährung,
  • eine Schleimhauttherapie,
  • die kontinuierliche Zufuhr von fehlenden, nützlichen Bakterien (Probiotika),
  • ein bewusstes Stressmanagement,
  • teilweise in Verbindung mit hormoneller Therapie.

Schauen Sie nach, in welchem Zustand sich Ihre Darmschleimhaut befindet. Suchen Sie sich dazu einen Therapeuten mit Schwerpunkt auf mikrobiologischer Therapie bzw. Darmsanierung und bitten Sie um eine analytische Bestimmung einschlägiger LaborparameterSynonym für Laborwert, Marker. Quantitatives oder qualitatives Ergebnis einer Untersuchung von Körpermaterialien (z.B. Blut, Urin), im erweiterten Sinn auch der Messung von Körperfunktionen wie Zonulin, Alpha 1-Antitrypsin, ß-Defensin oder Verdauungsrückstände. Ihr Therapeut wird nach einer ausführlichen Anamnese die richtigen analytischen MarkerSynonym für Laborwert, Parameter. Quantitatives oder qualitatives Ergebnis einer Untersuchung von Körpermaterialien (z.B. Blut, Urin), im erweiterten Sinn auch der Messung von Körperfunktionen für Sie wählen.

Folgende Literatur diente als Grundlage für diesen Artikel und kann Ihnen weiterführende Informationen vermitteln:

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