Was genau passiert in der Schilddrüse bei Hashimoto?

Bei der Autoimmunerkrankung Hashimoto wird die Schilddrüse nach und nach durch das körpereigene Immunsystem zerstört. Mit fatalen Folgen, denn die Schilddrüse stellt eine Art „Kommandozentrale“ der Hormonproduktion im Körper dar. Funktioniert sie nicht mehr richtig, so gerät der gesamte Organismus aus dem Takt. Hier erklären wir kurz und bündig, was Sie über die bei Hashimoto ablaufenden Krankheitsprozesse und ihre Folgen wissen sollten – und wir zeigen Optionen für Betroffene auf, die nach Alternativen zu den gängigen Hormontherapien suchen.

Was genau passiert in der Schilddrüse bei Hashimoto?

Welche Aufgaben hat die Schilddrüse?

Das Wort Schilddrüse kommt aus dem Griechischen [griech. thyreos: Das Schild], und tatsächlich ist die Schilddrüse schildförmig. Ganz unscheinbar thront sie oberhalb des Kehlkopfes. Aber was macht sie eigentlich – unsere Schilddrüse – und warum hat sie so große Auswirkungen auf unser Befinden? Obwohl sie nur etwa 20 Gramm schwer ist, handelt es sich bei der Schilddrüse tatsächlich um eine der kompliziertesten Hormon-produzierenden Drüsen unseres Körpers.

Die Schilddrüse bestimmt wie „schnell“ der Körper arbeitet

Gesteuert wird die Hormonausschüttung der Schilddrüse über zwei wichtige Bereiche des Gehirns, über die Hirnanhangsdrüse, auch Hypophyse genannt und den Hypothalamus, einem Abschnitt des Zwischenhirns122Hirnanhangsdrüse, schüttet selbst produzierte sowie von außen aufgenommene Hormone au. Die Steuerung übernimmt das Hormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon), das von der Hypophyse produziert wird. Wie können Sie sich das vorstellen? Der Hypothalamus registriert z. B. „ich friere“ und gibt die Botschaft an die Hypophyse weiter. So wird TSH ausgeschüttet, was die Schilddrüse veranlasst ihre Schilddrüsenhormone in den Blutkreislauf abzugeben. Zu den Schilddrüsenhormonen zählen die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (L-Thyroxin). Darüber hinaus hat die Schilddrüse aber auch weniger berühmte Persönlichkeiten an Board, z.B. die Hormone T1, T2 oder Calcitonin. Die Hormone reisen an Transportproteine gebundene durch die Blutbahn. Immer mit dem Ziel die Botschaft an die Zellen weiterzugeben. Am Zielort angekommen, docken sie als „freie Hormone“ (z. B. fT3 und fT4) an die Zelloberfläche an und lösen im Inneren der Zelle eine entsprechende Reaktion aus. Wenn wir frieren wird so der zelluläre Stoffwechsel angekurbelt. Es entsteht Energie, die Körpertemperatur steigt. Die Schilddrüse hat auf diese Art und Weise Einfluss auf den kompletten Stoffwechsel, das Herz- und Kreislaufsystem, den Wärmehaushalt, den Blutdruck, die Sauerstoffaufnahme, die Darmfunktion und auf das Nerven- und Muskelgewebe.

Die Hormone T3, T4 werden beim Endokrinologen bei Verdacht auf Hashimoto Thyreoiditis im Standardlabor gemessen. Haben Sie gewusst, dass es weitere Schilddrüsen-Tests gibt, die den Zustand der Schilddrüse wesentlicher umfassender beurteilen können und so eine individuelle Therapie möglich machen? In unserem Beitrag „Hashimoto: Welche Werte sind zur Diagnose entscheidend?“berichten wir Ihnen welche Schilddrüsen-Werte Sie bei Ihrem Arzt bestimmen lassen sollten.

Leidet die Schilddrüse, werden wir krank

Im Falle der Hashimoto Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet. Es werden zu viele (Schilddrüsenüberfunktion) oder zu wenige Schilddrüsenhormone (Schilddrüsenunterfunktion) ausgeschüttet. Betroffene haben mit Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Gewichtszunahme, Herzklopfen, Durchfall, Verstopfung oder Haarausfall zu kämpfen. Einen Überblick über die Symptome, die bei Hashimoto auftreten können, gibt Ihnen der Artikel „Hashimoto: Welche Symptome treten auf?“

Das Drama bei Hashimoto: Antikörper gegen körpereigene Zellen

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie unser Immunsystem schädliche Krankheitserreger erkennt? Nun, es orientiert sich dabei an typischen Oberflächenstrukturen von Bakterien, Viren und anderen Erregern. Doch „Freund“ und „Feind“ zu unterscheiden kann manchmal kniffelig sein, weil körpereigene Zellen oft ganz ähnliche Strukturen an ihrer Oberfläche aufweisen. Bildet das Immunsystem „versehentlich“ Abwehrstoffe gegen eigene Zellen, dann spricht man auch von Autoantikörpern [„auto“ lat: selbst].

Wenn die Selbst-Toleranz des Immunsystems verloren geht

Eine Immunreaktion ist eigentlich ein ganz natürlicher Prozess und für unser Überleben lebensnotwendig. Unser intelligentes Immunsystem schützt den Organismus auf diese Art und Weise vor körperfremden Eindringlingen, den sogenannten Antigenen13. Gleichzeitig erkennt und toleriert es körpereigene Strukturen. Um diese geniale Selbst-Toleranz zu erreichen, werden alle Vorläufer bestimmter weißer Blutkörperchen, die Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten): Zellen des menschlichen Bluts, Teil des Immunsystems. Gezielte Abwehr von Fremdstoffen, insbesondere von Infektionserregern oder gegen veränderte körpereigene Zellen (z.B. Tumorzellen) T-Lmphozyten (kurz T-Zellen) in der Thymusdrüse ein Leben lang hart geschult. Jede T-Zelle leistet eine Art Grundwehrdienst ab. Wer nicht spurt, fliegt raus. Entgeht ein T-Lymphozyt diesem Kontrollmechanismus, richtet er gegen körpereigene Strukturen, die sogenannte Autoimmunreaktion. Entzündungsfördernde Stoffe werden von dem Irrläufer ausgeschüttet, was weitere Immunzellen zum Mitmachen anstachelt. Eine Art Terrorzelle entsteht, die dann chronische Entzündungen, im Falle der Hashimoto Thyreoiditis die Schilddrüsenentzündung unterhält.

Sie wollen mehr über das Immunsystem erfahren? Im Beitrag „Das Immunsystem – die Genialität der körpereigenen Abwehr“ erklären wir Ihnen, welche Faktoren dafür sorgen, dass das Immunsystem außer Kontrolle gerät und was Sie für eine gesunde Balance tun können.

Autoantikörper – das misst der Arzt bei Hashimoto

Bei Hashimoto richten sich die Antikörper gegen bestimmte Strukturen und Produkte der Schilddrüse. Um die Krankheit festzustellen, testet der Arzt üblicherweise auf die Schilddrüsen-Autoantikörper „MAK, TRAK und TAK„. Typischerweise sind bei Hashimoto vor allem die Werte für die „Mikrosomalen Antikörper (MAK)“ erhöht. Man spricht auch vom „TPO-AK-Wert„, weil Mikrosomale Antikörper in der Schilddrüse das Enzym TPO (Thyreoidale Peroxidase) attackieren. Dieses Enzym ist maßgeblich an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt. TAK („Thyreoglobulin-Antikörper“) hingegen richten sich gegen das Eiweiß Thyreoglobulin, das als Ausgangsprodukt für die Schilddrüsenhormone dient. Sind sowohl die TPO-AK erhöht als auch die TAK, so ist das ein starker Hinweis auf Hashimoto. Die Antikörper TRAK (oder TSH-Rezeptor-Antikörper) sind bei Hashimoto hingegen nur selten erhöht, sie weisen eher auf einen Morbus Basedow hin.

Was die Hormone der Schilddrüse mit dem TSH-Wert zu tun haben

Ganz schön kompliziert – doch was bedeuten die Hashimoto-Antikörper-Werte für Sie als Patient? Nun, wenn das Immunsystem das Eiweiß Thyreoglobulin und / oder das Enzym TPO attackiert, kann die Schilddrüse nicht genug Hormone produzieren. Aber unser Körper ist ja nicht dumm. Sobald dieses Defizit von der Hirnanhangsdrüse „erkannt“ wird, produziert sie vermehrt TSH, um die Freisetzung von mehr T4 und T3 zu stimulieren. Deshalb ist zum Nachweis der Hashimoto Thyreoiditis auch der TSH-Wert (TSH basal) erforderlich. Ist der TSH-Wert zu hoch, dann ist das ein starker Hinweis auf eine Schilddrüsen-Unterfunktion, wie sie für Hashimoto typisch ist. Ist der TSH-Wert zu niedrig, dann deutet das hingegen auf eine Überfunktion hin.

Warum der TSH Wert Basal Wert aus Sicht der Biologischen Medizin nicht das „Non plus Ultra“ ist, lesen Sie hier.

Bioidentische Hormone als Chance für Betroffene

Die übliche schulmedizinische Behandlung der Hashimoto Thyreoiditis besteht darin, das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin (T4) von außen durch Tabletten zu ersetzen. Doch wie Sie als Betroffener sicherlich wissen, ist es oft gar nicht so leicht, die richtige Dosierung zu finden. In zu hoher Dosis kann L-Thyroxin Nebenwirkungen haben, die einer Schilddrüsen-Überfunktion ähneln – wie etwa Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Herzklopfen und vermehrtes Schwitzen. Eine Alternative zu L-Thyroxin-Präparaten stellen sogenannte bioidentische oder „natürliche“ Schilddrüsenhormone dar. Dabei handelt es sich meist um ein gefriergetrocknetes Schilddrüsen-Extrakt von Schweinen oder Rindern. Der Unterschied: Dieses Extrakt enthält nicht nur L-Thyroxin, sondern das gesamte Spektrum an Hormonen, das eine gesunde Schilddrüse produziert. Oft empfinden Patienten bioidentische Hormone als besser verträglich.

Sie interessieren sich für diese Therapie-Option? Genauere Informationen vermittelt Ihnen der Artikel „Bioidentische Hormontherapie: Die sanftere Alternative für Hashimoto-Patienten“. Darüber hinaus finden Sie auf andrino bald ein Verzeichnis von Ärzten, die sich auf die Behandlung mit bioidentischen Hormonen spezialisiert haben. Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Expertenwissen zum Thema

Einführung in die Biologische Medizin

Katharina Eirich hat Diplom-Biologie studiert und ein medizinisches Aufbaustudium absolviert. Als Fachhumangenetikerin besitzt sie fundamentales biochemisches, medizinisches und genetisches Wissen und hat mehrjährige Expertise im Bereich der humanen genetischen Labor-Diagnostik. Katharina brennt dafür, die Mechanismen chronischer Erkrankungen für Laien simpel und nachvollziehbar aufzuarbeiten.




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