Das Immunsystem – die Genialität der körpereigenen Abwehr

Unsere Immunabwehr, ein ausgeklügeltes System bestehend aus Milliarden von einzelnen Komponenten. Ein biologisches Meisterwerk, dessen exakte Mechanismen auch heute noch nicht im Detail aufgeklärt sind. Die meisten Menschen glauben, dass das Immunsystem eine reine Abwehrfunktion hat. Es heißt ja auch “die Immunabwehr”. Genauso wichtig aber ist die Entwicklung einer körpereigenen Toleranz gegenüber harmlosen Fremdstoffen wie Staub, Pollen, Nahrungsmittel, Hautcreme, Raumspray oder nützlichen Mikroorganismen. Stellen Sie sich nur vor, was passieren würde, wenn Ihr Immunsystem nach jedem Essen so richtig in Aktion treten und Sie mit Juckreiz, Durchfall oder gar Schmerzen belasten würde. Die richtige Einschätzung, ob ein Fremdstoff angegriffen oder toleriert wird, stellt für das Immunsystem eine echte Mammutaufgabe dar. Es entscheidet stets zwischen Entzündung und Anti-Entzündung. Ein Balanceakt, der nur funktioniert, wenn die einzelnen Komponenten des Immunsystems das richtige Gleichgewicht haben. Bei vielen chronischen Erkrankungen, vor allem bei Allergien und Autoimmunerkrankungen, gerät das Immunsystem aus der Balance mit weitreichenden Folgen: Chronische Entzündungen, Infektanfälligkeit, Autoimmunreaktionen oder sogar Krebs können entstehen.

Im folgenden Artikel bringen wir Ihnen das Wunder Immunsystem näher. Sie lernen wie das Immunsystem im gesunden Zustand arbeitet und erfahren was genau passiert, wenn das Immunsystem krank wird.

Das Immunsystem – die Genialität der körpereigenen Abwehr

Das Immunsystem einfach erklärt

Das Immunsystem, auch als körpereigene Abwehr oder “Körperpolizei” definiert, verteidigt unseren Organismus gegen Krankheitserreger, Fremdstoffe und äußere Eindringlinge. Unser Immunsystem spielt aber auch bei der Eliminierung von Krebszellen eine entscheidende Rolle. Da das Immunsystem oftmals mit dem Begriff “Immunabwehr” gleichgesetzt wird, glauben die meisten Menschen, dass das Immunsystem eine reine Abwehr- und Verteidigungsfunktion hat. Das ist allerdings nicht richtig. Hätten Sie es gedacht? Widerstand und Angriff von pathogenen Bakterien, Viren, Pilzen oder gar Krebszellen sind tatsächlich nur die halbe Miete. Das Immunsystem hat eine ganz gewaltige zweite Aufgabe, die mindestens genauso wichtig ist. Nämlich den Aufbau einer körpereigenen Toleranz gegenüber harmlosen Fremdstoffen wie Staub, Pollen, Nahrungsmittel, Hautcreme, Raumspray oder nützlichen Mikroorganismen. Gerät die Balance zwischen Angriff, Verteidigung und Toleranz aus dem Gleichgewicht, haben unter anderem Autoimmunerkrankungen, Allergien, Chronisch-entzündliche Erkrankungen und Krebs ein leichtes Spiel.

Immunsystem – was gehört dazu?

Unser Immunsystem ist ein riesiges, hochkomplexes Netzwerk aus mehreren 100 Millionen verschiedenen Einzelbausteinen, die Körperweit verteilt sind. Es handelt sich um unterschiedliche Zellen und kleine Eiweißmoleküle, die unerwünschte Fremdkörper analysieren, festhalten oder sogar töten. Zellen des Immunsystems liegen also nicht an einem bestimmten Ort. Aber es gibt Organe, in denen Abwehrzellen in einer besonders hohen Dichte vorkommen, weil sie dort heranreifen oder sich bei Infektionen dort gebündelt versammeln. Dazu gehören in erster Linie die Lymphknoten, der Darm und die Milz. Immunzellen arbeiten Hand in Hand und können untereinander kommunizieren, indem Sie bestimmte Signalstoffe ausschütten oder Fremdkörper an ihrer Oberfläche präsentieren. Immunzellen sprechen eine eigene Sprache: Entzündung bedeutet Angriff, Anti-Entzündung heißt Toleranz bzw. Rückzug.

Folgende Bestandteile gehören zum Immunsystem:

  • Organe (z. B. Darm, Lymphe, Milz, Blut),
  • Moleküle,
  • verschiedene Zelltypen,
  • Botenstoffe,
  • Antikörper
  • 78 Enzyme79 (Komplementsystem)

Welche Bestandteile hat das Immunsystem?

Wo genau sitzt das Immunsystem eigentlich? Den einen Sitz des Immunsystems gibt es nicht. Viele Immunzellen patrouillieren in der Blutbahn, sodass wir im Falle einer Verletzung sofort gegen den Eindringling gewappnet sind. Zellen des angeborenen, unspezifischen Immunsystems analysieren ungebetene Gäste vor Ort und eliminieren sie gegebenenfalls sofort. Zellen des erworbenen Immunsystems hingegen müssen erst eine höhere Kompetenz erlernen, bis sie bei der Immunabwehr mitmachen dürfen. Die Ausbildung erfolgt u. a. in den Lymphknoten. Die größten Lymphknoten befinden sich am Hals und Kopf, an der Brust, in den Achselhöhlen, in der Leistengegend und um den Bauch herum. Im Falle einer Infektion werden Lymphknoten zum Epizentrum der Körperabwehr. Im Ernstfall treffen sich dort Zellen des angeborenen und des erworbenen Immunsystems und entwickeln eine gemeinsame Strategie, um den Feind schnell und ohne größeren Schaden effektiv zu beseitigen. Bestimmt wissen Sie wie sich eine Lymphknotenschwellung anfühlt, wenn ein Infekt Sie erwischt hat.

Darm und Immunsystem: Mittelpunkt chronischer Beschwerden

Die allermeisten Zellen des Immunsystems halten sich direkt unter den Schleimhäuten auf. Also dort, wo fremde Stoffe von außen in den Körper gelangen. Nahrungsbestandteile, Bakterien, Medikamente, Schwermetalle, Weichmacher oder Kunststoffe. Quasi alle Substanzen, die wir aufnehmen, müssen die Darmschleimhaut passieren. Zu den Schleimhäuten gehören Augen, Atemwege, Harn- und Geschlechtsorgane sowie Magen- und Darmtrakt. Da der Darm im entfalteten Zustand eine Kontaktfläche von ca. 300 Quadratmeter (!) aufweist, befinden sich auch dort mit Abstand die meisten Abwehrzellen. Unter der Darmschleimhaut wartet zu jeder Zeit ein ganzes Arsenal von immunologisch aktiven Substanzen, welche eintreffende Fremdkörper ständig begutachten und bewerten. Kräftig unterstützt wird das Immunsystem im Darm durch unsere Darmbakterien. Sie trainieren das Darm-Immunsystem von Kindheit an. Wird unsere Darmflora51 krank, zum Beispiel durch die Einnahme von Antibiotika oder durch eine ungesunde Ernährung ohne Ballaststoffe, leidet auch unser Darm-Immunsystem. Wir werden Infektanfällig oder bekommen chronische Beschwerden wie Allergien oder Automimmunerkrankungen. Nicht zuletzt, weil die Immunzellen aller Schleimhäute und aller Organe miteinander verschaltet sind.

Sie wollen genau verstehen, welche Faktoren für eine gesunde Darmflora wichtig sind und wie Sie Ihr Immunsystem stärken können? Unser Beitrag “Intakte Darmflora – welche Faktoren sind entscheidend” gibt Ihnen dazu einen umfangreichen Überblick.

Wie ist das Immunsystem aufgebaut?

Das Immunsystem besteht aus Zellen, Proteinen, Enzymen und entzündungsfördernden Stoffen. Im Groben kann das Immunsystem in zwei Teile geteilt werden:

  • Das angeborene (natürliche, unspezifische) Immunsystem
  • Das erworbene (adaptive, spezifische) Immunsystem

Alle zellulären Bestandteile des Immunsystems gehören zu den weißen Blutkörperchen. Zellen des Blutes werden generell als Lymphozyten bezeichnet. Die weißen Zellen unter ihnen und damit auch die Immunzellen nennen Mediziner dann Leukozyten. Weiße Blutkörperchen enthalten im Gegensatz zu den roten Blutkörperchen keinen roten Blutfarbstoff (das Hämoglobin) und erscheinen unter dem Mikroskop daher farblos. Die Immunzellen im Blut patrouillieren ständig in hoher Anzahl, ähnlich wie Soldaten, durch das Blut. Sie können die Blutbahn aber auch verlassen und sich aktiv im umliegenden Gewebe fortbewegen. Durch verschiedene Botenstoffe werden sie bei Bedarf von anderen Immunzellen zu ihrem Einsatzort gelockt.

Grobstruktur des menschlichen Immunsystems

Angeborene Immunabwehr Erworbene Immunabwehr
Monozyten und Makrophagen T-Lymphozyten
Granulozyten B-Lymphozyten
Natürliche Killerzellen Antikörper
Komplementsystem
Akut-Phase-Proteine

 

Angeborenes Immunsystem – Erworbenes Immunsystem: Wo liegen die Unterschiede?

Das angeborene Immunsystem ist von Geburt an aktiv. Es reagiert schnell, aber unspezifisch und sehr breit gefächert, auf körperfremde Substanzen. Zellen der natürlichen Immunabwehr sind nicht lernfähig und reagieren bei jedem Kontakt und auch bei jedem erneuten Kontakt auf einen Fremdkörper immer gleich stark. Demgegenüber steht die spezifische, erworbene Immunabwehr. Dieser Part des Immunsystems ist hoch spezialisiert. Das bedeutet für jeden ungewollten Eindringling gibt es eigene Immunzellen, die nur und ganz speziell diesen Fremdkörper erkennen und attackieren. Angehörige Zellen des erworbenen Immunsystems werden auf die Abwehr bestimmter Fremdkörper trainiert, und zwar ein Leben lang. Das erworbene Immunsystem ist im Gegensatz zum angeborenen Immunsystem lernfähig und kann sich Pathogene „merken“. Es hat ein immunologisches Gedächtnis. Bis dieses Gedächtnis im Ernstfall aktiviert ist und anfängt zu arbeiten, vergeht allerdings Zeit. Deshalb muss das angeborene Immunsystem Eindringlinge in Schach halten, bis das erworbene Immunsystem in die Gänge kommt.

Angeborenes und spezifisches Immunsystem stehen in engem Kontakt zueinander und arbeiten Hand in Hand.

Was sind Antigene?

Alle Lebewesen oder Strukturen, die das Immunsystem stimulieren bzw. beschäftigen, also eine Immunantwort auslösen, nennen Experten Antigene [von griech. anti (da)gegen und griech. gennan erzeugen]. Quasi alle Moleküle, in erster Linie aber komplexere Proteine (Eiweiße), Fette oder Kohlenhydrate können “antigen” wirken, also das Immunsystem beschäftigen. Dazu gehören Erreger (Viren, Bakterien, Parasiten), aber auch Nahrungsbestandteile wie Gluten oder Casein (das Eiweiß aus der Milch). Gerade solche Proteine erzeugen daher bevorzugt Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wenn das Immunsystem aus der Balance geraten ist. Größere komplexe Eindringlinge wie Bakterien können sogar in mehrfacher Hinsicht “antigen” wirken. Sie verfügen über mehrere “antigene” Teilstrukturen, die als Epitope bezeichnet werden. So kann ein einziger Erreger zur Produktion mehrerer Antikörper führen. Sehr kleine Moleküle hingegen wie Aminosäuren, unvollständige Proteinketten oder einzelne Fettsäuren, können keine Immunreaktion auslösen.

Antikörper – Waffen des erworbenen Immunsystems

Antikörper oder Immunglobuline (kurz Ig) werden von B-Lymphozyten des spezifischen Immunsystems produziert, genau passend gegen ein bestimmtes Antigen. Die Zahl der Antikörper, die bei einer Infektion hergestellt werden, geht in die Millionen. Anschließend werden sie in die Umgebung entlassen, um die Antigene zu binden und für Fresszellen zu markieren. Der Antikörper selbst kann sein Antigen nicht eliminieren. Hängt aber ein Antikörper an einem Eindringling, können Fresszellen und Kompementsystem wesentlich schneller reagieren. Das Ziel der Antikörper ist die effektive und gezielte Beseitigung von Keimen, die das angeborene Immunsystem nicht alleine schafft. Die Bindung von Antikörpern an ihre Antigene nennt sich “Antigen-Antikörper-Reaktion“.

Wie genau  sind Antikörper aufgebaut?

Antikörper besitzen ungefähr die Form eines Y. Dabei gibt es konstante und variable Anteile. Der variable Teil bindet an das Antigen, der konstante Teil, die Grundstruktur, unterscheidet sich je nach Antikörpertyp. Beim Menschen gibt es insgesamt fünf Antikörperklassen: IgA, IgD, IgE, IgG und IgM). Auch Unterklassen sind beschrieben. Sie spielen bei verschiedenen Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine zentrale Rolle.

Antikörper IgG, IgE und IgA unter der Lupe

IgGs zirkulieren im Blutplasma und in Körpersekreten während das IgE bevorzugt in der Schleimhaut und in den Atemwegen, dem Magen-Darm-Trakt und den Lymphknoten zu finden ist. IgG aktiviert die Enzyme des Komplementsystems und kann als einziges Immunglobulin durch die Plazenta treten um das Ungeborene im Mutterleib vor Infektionen zu schützen. IgG ist verantwortlich für allergische Reaktionen vom Spättyp. Die IgE Antikörper sind die einzigen Immunglobuline, die nicht frei im Blut schwimmen, sondern an Zellen gebunden werden. Im Besonderen an Mastzellen und an einige Granulozyten. Sie regen Mastzellen an Entzündungsstoffe freizusetzen. Bei Allergikern ist der IgE-Spiegel erhöht. IgE ist an der Sofortreaktion, bei der ersten Abwehrreaktion gegen einen Erreger, v. a. Würmer und Parasiten, beteiligt (Allergie vom Soforttyp).

Sekretorisches IgA (sIgA) – Spiegelbild des Immunsystems

Eine besondere Rolle kommt dem sIgA zu [“s” wie sekretorisches IgA]. sIgA wird in der Schleimhaut gebildet, in erster Linie im Verdauungstrakt und den Atemwegen. sIgA kommt aber auch in Körpersekreten wie Speichel, Tränenflüssigkeit und in der Muttermilch vor. Die Herstellung wird durch Bakterien unterstützt. Beim gesunden Erwachsenen werden täglich zwischen 5 g und 15 g sIgA an der Schleimhaut abgegeben. sIgA neutralisiert Antigene, bevor sie überhaupt in den Organismus eindringen können. Und das auch noch ziemlich schonend. Im Gegensatz zu anderen Antikörperklassen lösen sIgA Antikörper keine direkten Entzündungsreaktionen aus. Verminderte sIgA-Spiegel gehen oftmals einher mit einer Abwehrschwäche, bei Allergien und Autoimmunerkrankungen und dem sogenannten Leaky-gut-Syndrom156.

Angeborenes Immunsystem im Fokus – unsere erste Front

Der angeborene Teil des Immunsystems ist evolutionär wesentlich älter. Die natürliche Immunabwehr bietet Erregern im Zweifel eine erste Verteidigungslinie, nachdem diese die äußeren Schutzschranken des Körpers überwunden haben.

Die angeborene Abwehr besteht aus:

  • dem Schutz durch Haut und Schleimhäute (mechanische und physiologische Barriere)
  • Abwehrzellen und Eiweißen

Ein wesentliches Element des angeborenen Immunsystems sind alle äußeren und inneren Oberflächen des menschlichen Körpers, die rein mechanisch vor dem Eindringen von Krankheitserregern schützen. Denken Sie doch nur einmal an die Flimmerhärchen in den Bronchien. Sie hindern Keime daran, sich in der Lunge festzusetzen. Oder an die Tränenflüssigkeit der Augen, die keimtötende Stoffe enthält. Der Darm hat zu diesem Zweck etwas was ganz besonderes zu bieten! Kleine Eiweiße werden ständig von der Darmschleimhaut in das Innere des Darms (in das Darmlumen) abgegeben, die ähnlich wie ein Breitbandantibiotikum wirken. Man nennt die anti-bakteriellen Stoffe ß-Defensine. Dennoch gibt es immer wieder Keime, welche diese Barrieren überwinden können. In einem solchen Fall stehen dann aber sofort Immunzellen bereit, die den Eindringling analysieren, ihn direkt beseitigen und gegebenenfalls ein Alarmsignal an den Rest des Immunsystems senden. Zu den Zellen des angeborenen Immunsystems gehören Fresszellen (Makrophagen und  Granulozyten), Mastzellen und natürliche Killerzellen. Stets einsatzbereit fressen, attackieren und zerstören sie Viren und Bakterien. Das angeborene Immunsystem ist es, das bei einem Infekt im zentralen Nervensystem das Fieber initiiert und uns damit in die Schonung zwingt.

Große Fresszellen – Die Makrophagen

Monozyten sind die Vorläufer von sogenannten Makrophagen, den größten Fresszellen des Immunsystems [altgriech.: makros = groß; phagein = fressen]. Monozyten patrouillieren im Blut und wandeln sich in Makrophagen um, sobald sie in das umliegende Gewebe einwandern. Mit einer Größe von 25-50 µm sind diese Fresszellen deutlich größer, als die zu bekämpfenden Erreger. Monozyten und Makrophagen sind in der Lage Keime oder Anteile komplett zu umschließen und in sich aufzunehmen. Dieses Fressverhalten wird im Fachjargon Phagozytose genannt. Die gefressenen Eindringlinge können durch den Makrophagen im Inneren komplett verdaut und aufgelöst werden. Darüber hinaus sind die Makrophagen dazu in der Lage Zellen des spezifischen Immunsystems auf den Eindringling aufmerksam zu machen. Dazu wandern sie mit ihrer Beute in Lymphknoten und präsentieren Teile des Eindringlings auf ihrer Zelloberfläche. Makrophagen helfen aber auch bei der Beseitigung von abgestorbenen Geweberesten und Zelltrümmern im Organismus. Lockstoffe, die durch beschädigtes Gewebe ausgesandt werden, weisen den Fresszellen den Weg zur Entzündungsstelle.

Kleine Fresszellen – Die Granulozyten

Darüber hinaus gibt es kleinere Fresszellen, die Granulozyten. Allerdings halten sie den prozentual größten Anteil der weißen Blutkörperchen. Granulozyten können ebenfalls Fremdkörper in sich aufnehmen. Warum heißen die so, die Granulozyten? Im Zellinneren beherbergen sie kleine Granula, die verschiedene Enzyme aber auch Sauerstoffradikale beinhalten. Der Inhalt der Granula kann in die Umgebung ausgeschüttet werden oder der Erreger wird direkt im Inneren der Granulozyten getötet. Wegen der unterschiedlichen Anfärbbarkeit der Granula kann man Granulozyten in bestimmte Untergruppen einteilen. Es gibt neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten. Auch die Granulozyten können Signalstoffe an ihre Umgebung abgeben.

Natürliche Killerzellen (NK-Zellen)

Natürlich Killerzellen haben eine Sonderfunktion. Sie können sowohl körpereigene Zellen eliminieren, die bereits mit einem Virus infiziert sind, als auch Tumorzellen töten. Solche Situationen stellen für das Immunsystem eine ganz besondere Herausforderung dar. Viren, die von körpereigenen Zellen eingeschlossen sind, sind nämlich getarnt. NK-Zellen erkennen infizierte Zellen aber über körperfremde Signalproteine, über MHC-Moleküle [engl. Major Histocompatibility Complex] auf der jeweiligen Zelloberfläche. Bei der Erkennung einer körperfremden Zelle wird ein programmierter Zelltod, die sogenannte Apoptose eingeleitet, indem die NK-Zellen toxische Zellgifte abgeben.

Akut-Phase-Proteine – Indikatoren einer Entzündung

Die Akute-Phase-Reaktion ist eine Entzündungsreaktion, die durch eine Gewebeschädigung ausgelöst wird. Sie sorgt im Wesentlichen dafür, dass die Entzündung lokal begrenzt bleibt und Reparaturprozesse eingeleitet werden. Nach der Verletzung stimulieren kleine Vermittler-Proteine in der Leber die Bildung von verschiedenen Akute-Phase-Proteinen. Ihre Konzentration nimmt innerhalb weniger Stunden um ein Vielfaches zu. Welche Akut-Phase-Proteine gibt es? Fibrinogen zum Beispiel steigert die Gerinnungsneigung, sodass eine lokale Thrombus Bildung eine weitere Ausbreitung von Erregern über die Blutbahn verhindert. Das C-reaktive Protein (CRP) dient der Markierung der Erreger und der Aktivierung vom sogenannten Komplementsystem. Ein weiteres Beispiel ist das Alpha-1-Antitrypsin, das Eiweißspaltende Enzyme hemmt und so eine übermäßige Gewebsschädigung verhindert. Auch Ferritin gehört dazu. Es entzieht Bakterien Eisen und hemmt deren Wachstum.

Proteine der Akut-Phase Reaktion, wie das CRP, gehören zu den sogenannten Entzündungsparametern, die im Labor getestet werden. Das CRP steigt im Blut bereits an, bevor sich Fieber entwickelt. Bei Verdacht auf chronische Entzündungen messen Biologische Mediziner deshalb das hochsensitive CRP (hsCRP), das auch niedergradige Entzündungen detektieren kann.

Das Komplementsystem – Rolle der Eiweiße

Das Komplementsystem ist im Grunde eine Armee aus ca. 30 verschiedenen, zunächst harmlosen Proteinen, die zu Trillionen im Blutsystem zirkulieren. Zusammen bilden sie eine komplexe aber sehr elegante Verteidigungsmaschinerie. Das Komplementsystem verbindet den spezifischen und den unspezifischen Teil des Immunsystems miteinander und macht die immunologische Bekämpfung von Infektionen so wesentliche effektiver. Ohne das Komplementsystem würde so manche Virusinfektion tödlich enden. Damit die Proteinkomponenten im Blut anfangen zu arbeiten, müssen sie ihre Form ändern und aktiviert werden. Die Aktivierung geschieht über eine Art Kettenreaktion, die einmal gezündet kaum mehr zu stoppen ist. Der Zünder läuft über ein zentrales Protein C3. C3 wird zum Beispiel durch Berührung mit bestimmten Oberflächenstrukturen eines Erregers getriggert, also eher zufällig. Das aktivierte C3 verändert daraufhin seine Form und haftet sich wie eine Klette fest an den Fremdkörper. Diese Klette wird der Erreger nicht mehr los. Über das gebundene C3 wird nun eine Art Kettenreaktion in Gang gesetzt, die quasi nicht mehr zu stoppen ist. Andere Mitglieder des Komplementsystems werden gespalten oder zusammengeführt und so ebenfalls aktiviert. Die Kaskade hat das Ziel den Erreger in Schach zu halten bis die Fresszellen ankommen. Das Komplementsystem markiert den Eindringling und lockt sehr effektiv weitere Zellen des Immunsystems an. Proteine, die am Ende der Kaskade stehen, reißen sogar Löcher in die Zellwand der Keime, sodass Wasser ungehindert einströmen kann. Der Erreger wird gespült und vernichtet. Experten nennen das “Lyse”.

Das Komplementsystem hat vier zentrale Aufgaben:

  1. Blockierung des Erregers
  2. Markierung des Feindes für Fresszellen
  3. Anlocken weiterer Immunzellen aus dem Blut
  4. Zerstörung des Erregers durch Lyse

Das erworbene Immunsystem hat ein Gedächtnis

Das angeborene, unspezifische Immunsystem reicht oft nicht aus, um Krankheitserreger vollständig zu bekämpfen. Aus diesem Grund gibt es darüber hinaus das erworbene Immunsystem. Es kann sich dem Erreger anpassen und hochspezifische “Waffen”, die Antikörper, gegen ihn produzieren. Deshalb heißt es auch “adaptives” Immunsystem. Das erworbene Immunsystem ist lernfähig. Durch die ständige Auseinandersetzung mit Fremdstoffen erlangt es Kenntnisse, wie es bestimmten Viren und Bakterien effektiv begegnen kann. Der Nachteil: Die meisten Antikörper schwimmen nicht einfach im Blut und warten auf den Feind, so ähnlich wie bei einer Mausefalle. Nein, sie müssen bei Infektion erst aus einer Art “Vorlage”, aus dem immunologischen Gedächtnis gebildet werden.

Zum erworbenen Immunsystem gehören:

  • T-Lymphozyten
  • B-Lymphozyten
  • Antikörper

 

B-Lymphozyten und T-Lymphozyten

T- und B-Lymphozyten sind die wichtigsten “Player” des erworbenen Immunsystems. Sie werden nach Ihrem Schulungsort benannt. So gibt es “thymus”- und “bursaabhängige” Lymphozyten, kurz T-Zellen und B-Zellen. Die T-Zellen werden in der Thymusdrüse gereift, die B-Zellen im Knochenmark. Durch Signale der Knochenmarkszellen oder der Thymusdrüse bildet jede B-Zelle und jede T-Zelle einen einzigartigen Rezeptor auf seiner Zelloberfläche aus. Jeder Rezeptor passt nur auf ein ganz bestimmtes Fremd-Antigen. So werden die T- und die B-Zellen “scharf” gemacht. Wenn eine T- oder eine B-Zelle auf einen körpereigenen Stoff reagiert, fliegt sie sofort raus. Reife und geschulte Zellen halten sich anschließend bevorzugt in den Lymphknoten oder auch in speziellen Lymphfollikeln unterhalb der Dünndarmschleimhaut in den sogenannten Peyer-Plaques227226 auf. Dort “warten” sie auf ihren Einsatz, der davon abhängig ist, ob eine Fresszelle das für sie passende Antigen bringt.

Die T-Lymphozyten steuern die Immunantwort. Wird eine T-Zelle durch ein Antigen aktiviert, bildet sie unterschiedliche Tochterzellen, die alle auf dieses eine Antigen programmiert sind. Dazu gehören T-Helferzellen, T-Regulatorzellen, T-Gedächtniszellen und T-Killerzellen. Den T-Helferzellen obliegt eine Vermittlerrolle. Wie der Name schon sagt. Sie helfen, wo sie nur können: bei der Aktivierung der B-Zellen und so bei der Antikörper Produktion und bei der Ausschüttung von Gewebshormonen, um die Entzündung zu initiieren. Eine Spielart, die T-Regulatorzellen, sorgen dafür, dass wir eine gesunde Immuntoleranz gegenüber harmlosen Substanzen aufbauen. Die rettenden Antikörper werden von den B-Zellen produziert. Einige der B-Lymphozyten haben ein Gedächtnis. Die B-Gedächtniszellen speichern alle Informationen über ein bestimmtes Antigen. Dieses Abwehr-Gedächtnis ist der Grund, warum wir einige Krankheiten nur einmal im Leben bekommen und danach „immun“ sind. Während es beim ersten Kontakt mit dem Krankheitserreger zunächst einige Tage dauert, bis die spezifische Immunabwehr wirkt, reagiert der Körper beim zweiten Kontakt sofort. Dadurch verläuft die zweite Infektion meist unbemerkt oder zumindest schwächer.

Wie läuft eine Immunreaktion ab?

Beide, das angeborene und spezifische Immunsystem, arbeiten bei jeder Art von Eindringling grundsätzlich gemeinsam an der Front. Allerdings sind für verschiedene Krankheitserreger unterschiedliche Abwehr-Strategien notwendig. Um Bakterien oder Viren im Blut abzufangen reicht in der Regel die Produktion von spezifischen Antikörpern. Dringen Krankheitserreger allerdings in Körperzellen ein, um sich dort zu vermehren, muss das Immunsystem diese infizierten Zellen erkennen und zerstören, bevor es zur massiven Ausbreitung kommt. Ein harter Kampf, der eine enge Zusammenarbeit zwischen T-Lymphozyten und dem Komplementsystem erfordert.

Wie eine Immunreaktion im einzelnen abläuft, hängt stark davon ab, ob der ungewollte Eindringling dem Immunsystem bereits bekannt ist oder ob es sich um eine Erstinfektion handelt. Beim ersten Kontakt mit einem noch unbekannten Fremdling versucht das angeborene Immunsystem den Eindringling schnell zu analysieren und die Information dem erworbenen Immunsystem gezielt zu zuspielen. Wie funktioniert das im Groben? Makrophagen oder andere Fresszellen nehmen den Fremdling in sich auf, sie “phagozytieren” ihn. Mit dem Eindringling im Bauch wandern die Makrophagen zu den Lymphknoten. Dort präsentieren sie Teile des Eindringlings den T- und B-Zellen. Einige der Fresszellen töten den Erreger bereits vor Ort durch die Ausschüttung aggressiver Substanzen. Auf diese Art und Weise versucht die angeborene Immunabwehr die Situation in Schach zu halten, bis das  spezifische Immunsystem ihm zur Hilfe kommt. Die Präsentation der Antigene in den Lymphknoten regt die T- und B-Lymphozyten zur Teilung an.

Die T-Zell-vermittelte Immunabwehr bedingt die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren und aktiviert T-Helferzellen, die bei der Präsentation zur Hand gehen. Je nach Stärke der Immunreaktion geht die Entzündung einher mit Rötung, Schmerz und Schwellung. Die B-Zellen hingegen produzieren auf der Basis der Information, die sie von Fresszellen und T-Zellen erhalten, in der Zwischenzeit fleißig Antikörper gegen die Eindringlinge. Läuft alles nach Plan, fangen die Antikörper die restlichen Antigene im Blut, bevor sie weiteren Schaden anrichten können. Anschließend werden Gedächtniszellen gegen den speziellen Antikörper-Typ gebildet. Geraten wir erneut mit dem gleichen Antigen in Kontakt, kann das Immunsystem sehr effektiv reagieren und produziert die passenden Antikörper sofort ohne eine Entzündung initiieren zu müssen. Wir sind immun!

Entzündung – Wenn das Immunsystem Alarm schlägt

Was stellen Sie sich vor, wenn Sie an eine Entzündung denken? Vielleicht eine Schwellung am Fuß- oder Handgelenk die schmerzt? Oder an eine Hautrötung, vielleicht einen Ausschlag, der mit Juckreiz verbunden ist? Ja stimmt, eine akute Entzündung ist immer verbunden mit Rötung, Schwellung, lokaler Erwärmung oder sogar mit Fieber. Das ist auch wichtig, denn eine Entzündung ist an sich eine biologisch sinnvolle Aktion des Körpers, um den Organismus im Ernstfall, also beispielsweise bei einer Infektion mit einem Erreger, schnell und effektiv durch die Krise zu führen. Eine Entzündung ist nichts anderes als eine Immunreaktion, bei der Zellen des Immunsystems entzündungsfördernde Moleküle in die Umgebung abgeben. Diese sogenannten pro-entzündlichen Stoffe sind kleine Vermittler-Moleküle wie Interferone, Interleukine, der Tumornekrosefaktor (TNF-α) oder wie das C-reaktive Protein (CRP). Auch das Histamin gehört dazu, das bei Allergien überhandnimmt. Pro-entzündliche Stoffe gibt es in Massen. Wann welche Entzündungsmediatoren von welchen Immunzellen abgegeben werden, ist u. a. vom Antigen abhängig.

Drei Entzündungssysteme werden unterschieden:

    1. Über Makrophagen: V. a. TNF-α, IL-1 sowie CRP, IL6, IL8, IL10, TGF-ß (Bakterien, Pilze, Medikamente, Partikel)
    2. T-Zell-vermittelt: V. a.über IFN-gamma (Viren, Bakterien intrazellulär, Medikamente)
    3. Mastzellen-basiert: V. a. über Histamin (Allergene, Bakterien, Pilze und Medikamente)

Alle pro-entzündlichen Stoffe dienen als Signal bzw. als Lockruf für weitere, helfende Immunzellen. Eine Entzündung weitet Blutgefäße und macht sie durchlässiger. So können Immunzellen in das Gewebe übertreten, um anstehende Reparaturen einzuleiten. Die eintretenden Immunzellen und Effektormoleküle bewirken dann den Entzündungsschmerz, Hitze, Rötung und Schwellung. Dauern Entzündungen länger an, können sie im Körper weitreichende Folgen haben:

Entzündungen…

  • fördern die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und hemmen die Sexualhormone Östrogen und Testosteron
  • hemmen die Insulinwirkung
  • induzieren freie Radikale
  • hemmen die Produktion des Glückshormons Serotonin
  • steigern den Knochenabbau
  • steigern die Schmerzwahrnehmung im Muskel
  • setzen Aminosäuren und Fettsäuren frei

Chronische Entzündung – Autoimmunerkrankungen, Allergien und Co.

Eine akute Entzündung dient dazu, den Körper durch eine Krise durchzuführen. Ist die Krise überwunden, wird die Entzündungsreaktion sofort beendet. Dazu schüttet der Körper anti-entzündliche Stoffe aus. Diese Reaktion bleibt aus, wenn eine Entzündung chronisch wird. Wir sind heutzutage Stoffen aus der Umwelt ausgesetzt, welche die Ausschüttung entzündungsfördernder Moleküle ständig in geringer Weise triggern. Natürlich bevorzugt im Darm, wo die Stoffe zuerst ankommen. Zu den Umweltgiften gehören Metalle, Kunststoffe, Titan, Weichmacher, Gluten, Milch, Konservierungsstoffe, Pestizide aber auch chronischer Stress. Eine ständige, unterschwellige Entzündung führt, ebenso wie bei einer akuten Entzündung, zur Bildung von freien Radikalen91 im Körper. Freie Radikale aber verstärken dann wieder die Ausschüttung von pro-entzündlichen Molekülen. So entsteht ein Teufelskreis, der nur schwer zu stoppen ist. Die Entzündung verselbstständigt sich, sie chronifiziert. Chronische Entzündungen können Multisystemerkrankungen wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, Burnout oder chronische Erschöpfung fördern. Von der chronischen Entzündung zur Etablierung einer chronischen Erkrankung braucht es nach der Erfahrung vieler Therapeuten Jahre bis Jahrzehnte. Dazwischen treten Beschwerden auf wie Appetitlosigkeit, Libidoverlust, Depression oder Müdigkeit.

Chronische Entzündungen im Darm werden im Fachjargon silent inflammations [deutsch: chronische Entzündungen] genannt. Sie spielen bei vielen chronischen Erkrankungen eine zentrale Rolle. Im Beitrag “Undichter Darm: VIP-Zutritt für chronische Erkrankungen” erfahren Sie, wie ein entzündeter Darm chronische Beschwerden verursachen kann.

Finden Sie den richtigen Arzt: Pro Immunsystem – Contra Entzündung

Biologische Experten wissen: Chronische Entzündungen müssen nicht sein und können effektiv therapiert werden. Um eine chronische Entzündung zu stoppen, arbeiten Biologische Ärzte und Therapeuten u. a. mit folgenden Methoden: Darmsanierung, Entzündungshemmende Ernährung, Bewegung, Entgiftung, Stressbewältigung, Mikronährstofftherapie mit Antioxidanzien, sowie eine gezielte Immunstärkende Therapie. Sie leiden an chronischen Beschwerden, wiederkehrenden Infekten einer Autoimmunerkrankung oder einer Allergie? Auf andrino finden Sie alle Informationen, die Sie über Ihre Erkrankung wissen müssen. Stöbern Sie in unserem Therapeutenverzeichnis und halten Sie Ausschau nach biologischen Methoden wie Mikrobiologischen Therapie, Orthomolekulare Therapie und Entgiftung.

Folgende Literatur diente als Basis für diesen Artikel und kann Ihnen tiefgründiges Wissen verleihen:

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