Wie entsteht eine Allergie und was genau passiert dabei im Körper?

Unser Immunsystem wehrt täglich Abertausende von Krankheitserregern und Giftstoffen ab. Eigentlich eine prima Sache, würde es nicht manchmal über das Ziel hinausschießen. Bei einer Allergie hat das Immunsystem schlicht und ergreifend seine Toleranz verloren. Es ist zu “scharf” gestellt und bekämpft mit Feuereifer Stoffe aus der Umwelt, die an sich “harmlos” sind. Doch wie entsteht eine Allergie eigentlich und warum gibt es verschiedene Arten von Allergien? Hier haben wir die wichtigsten medizinischen Infos aus Sicht der Biologischen Medizin kompakt für Sie zusammengefasst.

Wie entsteht eine Allergie und was genau passiert dabei im Körper?

Entstehung einer Allergie verläuft in zwei Schritten

Niemand wird mit einer Allergie geboren. Allergische Reaktionen etablieren sich im Laufe des Lebens – manchmal schon in der frühesten Kindheit, manchmal erst im späten Erwachsenenalter. Was passiert in einem Immunsystem, wenn eine Allergie entsteht? Entscheidend sind hier zwei Schritte:

1. Sensibilisierungsphase

Voraussetzung für die Entstehung einer Allergie ist der Kontakt mit einem allergieauslösenden Stoff – auch “Allergen” genannt. Das allein wäre noch nicht schlimm, denn unser Immunsystem kommt fortwährend mit Fremdstoffen in Berührung und muss dabei zwischen “Gut” und “Böse” unterscheiden. Ordnet das Immunsystem einen an sich harmlosen Stoff als “Feind” ein, machen spezielle Abwehrzellen, die sogenannten T-Lymphozyten und B-Lymphozyten, eine Art “Bodyscan” vom Feind. Ähnlich wie bei tatsächlich infektiösen Keimen wird die Information des Allergens in einer Art immunologischem Gedächtnis gespeichert. Das Immunsystem ist für dieses bestimmte Allergen nun sensibilisiert. Von der Sensibilisierung bemerken Sie zunächst nichts, denn sie verläuft symptomlos. An sich gibt es also einen biologischen Sinn hinter der Sensibilisierung: Bei erneutem Kontakt mit dem gefährlichen Fremdstoff könnte das Immunsystem den Feind schneller identifizieren und sofort in Rekordzeit die individuellen Abwehrstoffe gegen ihn produzieren.

2. Allergische Reaktion

Kommen Sie also ein zweites Mal mit dem Allergen in Kontakt, fährt Ihr Immunsystem alle Register auf, um den vermeintlichen “Feind” zu bekämpfen. Die Zellen des Immunsystems nutzen die Vorinformation der Gedächtniszellen, um rasch “passgenaue” Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, zu produzieren. So wird das harmlose Allergen von einer ganzen Armee an immunologischen Substanzen begrüßt und effektiv vernichtet. Genau zu diesem Zeitpunkt zeigen sich die typischen Allergie-Symptome. Eine Entzündung entsteht. Zwischen der Sensibilisierungsphase und der ersten allergischen Reaktion können einige Tage bis zu mehreren Jahren vergehen.

Was passiert bei einer Allergie im Immunsystem?

Der Ablauf im Immunsystem bei einer Allergie ist ähnlich wie bei “normalen” Abwehrreaktionen. Wichtig zu wissen ist: Unser Körper bildet zur Abwehr von Krankheitserregern oder schädlichen Stoffen “maßgeschneiderte” Antikörper. Wie ein Schlüssel passt jeder Antikörper nur zu einem ganz bestimmten Stoff, auch “Antigen” genannt. Normalerweise sind Antigene etwa Eiweißstoffe auf der Oberfläche von Krankheitserregern. Handelt es sich nur um harmlose Pollen oder Bestandteile von Nahrungsmitteln – dann entsteht eine Allergie. Die Frage ist aber doch, warum greift der Körper ausgerechnet harmlose Antigene an?

Bei einer Allergie ist das Immunsystem geschwächt

Bei einer Allergie ist der Ablauf im Immunsystem prinzipiell derselbe wie bei der Abwehr “echter” Krankheitserreger. Das Problem ist die Fehlsteuerung: Bei einem Allergiker hat das Immunsystem dem “falschen Feind” den Krieg erklärt. Die Ursachen dafür können vielfältig sein – mehr dazu erfahren Sie im Artikel “Die Ursachen einer Allergie: ein Mosaik mit vielen Steinchen“. Biologische Mediziner gehen davon aus, dass einer Allergie oft eine Phase der Schwächung unseres Abwehrsystems vorausgeht. Diese Immunschwäche hat ihren Ursprung in vielen Fällen bereits in der Kindheit. Kinder mit Asthma bronchiale oder Neurodermitis wurden als Säugling oftmals überhaupt nicht oder nur unzureichend gestillt. Kaiserschnitte, das frühe Zufüttern mit Kuhmilch-basierter Säuglingsnahrung aber auch eine zu exzessive Hygiene mit häufigem Gebrauch von antibakteriellen Desinfektionsmitteln usw. züchten eine Art “Wohlstandsimmunsystem”. Dieses moderne Immunsystem ist völlig untrainiert und den vielen Fremdstoffen gegenüber nicht gewappnet wie Zusatzstoffe, Feinstaub oder schwer verdauliche Nahrungsmittel. In vielen Fällen beobachten biologische Mediziner außerdem eine ungesunde Darmflora51. Das macht den Körper wesentlich anfälliger für Fremdstoffe und schwächt das Immunsystem noch weiter. Ein Teufelskreis, denn der ständige Übertritt von unerwünschten Proteinen aus dem Darm steigert die Reaktivität bei einer Allergie.

Allergien entstehen meist im Darm

Wir werden definitiv nicht mit einem perfekt ausgereiften Immunsystem geboren. Das Immunsystem muss seine Expertise im Laufe der Zeit erst erlangen. Haben Sie gewusst, dass dieses Immuntraining in erster Linie von unseren Darmbakterien übernommen wird? Das Training ist lebenslang notwendig, besonders aber im Kleinkindesalter. Bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, die nicht gestillt werden oder schon früh mit Antibiotika behandelt werden, fehlen bereits in den ersten Monaten wichtige immunologische Signale. Um ein solches Defizit wieder aufzuholen, müssten Kinder zum Beispiel in einer Keimhaltigen Umgebung aufwachsen, die viele Antigene enthält (wie auf dem Bauernhof). Das Immunsystem profitiert vom ständigen Kontakt zu unterschiedlichen Fremdkeimen. Auch eine gezielte Gabe von Probiotika235 und eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung können förderlich sein. In der Regel machen wir durch unsere moderne Lebensweise unseren Darmbakterien leider völlig den Gar aus: Alkohol, Zucker, Medikamente, Fertiggerichte angereichert mit jeder Menge Zusatzstoffe und der Verzehr von schwer verdaulichen Proteinen wie dem Gluten im Hochleistungsweizen oder dem Casein in der Kuhmilch, geben dem geschwächten Immunsystem leider den Rest. Im Beitrag “Intakte Darmflora – welche Faktoren sind entscheidend” erklären wir Ihnen, warum eine gesunde Darmflora in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist.

So trainieren unsere Darmbakterien das Immunsystem

Die Darmbakterien liegen der Schleimhaut im Darm auf. Bei angenehmen Temperaturen, dicht gedrängt und eingebettet in den Darmschleim leben sie dort wie im Paradies, ernähren sich von Ballaststoffen aus unserer Nahrung. Im Umkehrschluss schützen sie uns vor unerwünschten Keimen. Jeder einzelne Fremdstoff, jedes Antigen, wird kontrolliert unter die Schleimhaut gereicht und dort dem Darm-Immunsystem präsentiert. Haben Sie gewusst, dass 70 bis 80 Prozent unserer gesamten Immunzellen ihren Sitz im Darm haben? Die Zellen des Darm-Immunsystems haben unter normalen Bedingungen genügend Zeit, den Fremdling zu beurteilen. Merken Sie sich: ein gesundes, tolerantes Immunsystem schlägt nur dann Alarm, wenn tatsächlich Gefahr im Verzug droht. Ansonsten bleibt das System relativ gelassen.

Entzündung – Panikschaltung und Rettungsversuch

Biologische Mediziner beobachten bei Patienten mit allergischen Erkrankungen in vielen Fällen eine unvollständig ausgebildete Darmflora und eine defekte Darmschleimhaut. Wenn die Anzahl und Diversität der Darmbakterien fehlen, brechen die Verbindungen zwischen den Darmzellen auf. Die Darmbarriere wird “leck” und ein sogenanntes Leaky-gut-Syndrom entsteht. Nun können Sie sich vorstellen, was passiert: Das Darm-Immunsystem wird mit Fremdproteinen nur so bombardiert, keiner spielt mehr den Lotsen. Das Immunsystem reagiert aus lauter Panik mit Entzündung [lat. inflammatio] und kurbelt die Antikörper-Produktion an. Ändert sich an dieser Situation dauerhaft nichts, gerät die feine Balance des Immunsystems ins Wanken und verschiebt das ganze System Richtung chronischer Entzündung. Das wird “silent inflammation272” [deutsch: stille Entzündung] genannt. Die chronische Entzündung brodelt bei Allergikern stetig im Untergrund und kann auf Dauer fiese Schäden hervorrufen. Beispielsweise die Schädigung der Bronchien, was dann im Zweifel in chronischem Asthma mündet. Im chronischen Entzündungszustand ist das komplette Abwehrsystem auf “scharf” gestellt und wartet nur darauf, dass ein weiteres potenzielles Allergen um die Ecke kommt. Jetzt verstehen Sie auch, warum Allergiker nicht selten an mehreren Allergien gleichzeitig leiden.

Allergie = chronische Entzündung = Regulationsstarre

An sich ist eine Entzündung eine normale Reaktion des Immunsystems, die den Verlust der körperlichen Schutzbarriere und das Eindringen von Fremdkeimen wieder ausgleichen soll. Pro-entzündliche Stoffe werden vor allem durch spezialisierte T-Lymphozyten vom Typ 2 (TH2-Zellen) produziert. Sie sorgen für eine gesteigerte Durchblutung, lassen die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt kontrahieren, bedingen einen verstärkten Lymphabfluss und triggern den typischen Schmerz, die Rötung oder die Schwellung. Eine Entzündung ist eigentlich dazu da, den Eindringling möglichst schnell wieder loszuwerden. Ein gesundes Immunsystem stoppt die Entzündungsreaktion, sobald die Gefahr vorüber ist. Bestimmte T-Lymphozyten, TH1-Zellen, schütten dann vermehrt anti-entzündliche Moleküle aus, um die Reaktion einzudämmen. Bei Allergikern ist das System durch die chronische Entzündung aber in eine Art “Regulationsstarre” geraten. Das empfindliche Gleichgewicht zwischen den TH1- und den TH2-Lymphozyten ist zugunsten der TH2-Zellen verschoben. Man nennt dieses Phänomen TH2-Shift. Ab diesem Zeitpunkt unterhält sich die chronische Entzündung selbst und der Körper ist nicht mehr von selbst in der Lage die Entzündung durch anti-entzündliche Substanzen zu beenden. Das Immunsystem verliert seine Toleranz. Aus Sicht der Biologischen Medizin ist eine Allergie also keine Krankheit, sondern der Körper hat seine Kapazität zur Selbstregulation verloren.

Alles Typsache? – Die Allergietypen im Überblick

Wenn das Immunsystem aus dem Gleichgewicht gerät, kann das viele Folgen haben. Grundsätzlich differenzieren Mediziner 4 Typen der Allergie. Im Immunsystem laufen dabei unterschiedliche Vorgänge ab. Im Detail werden je nach Allergietyp andere Antikörperklassen und Entzündungsstoffe von den Zellen des Immunsystems gebildet. Auch spielen sich die allergischen Reaktionen an unterschiedlichen Orten ab. Eine klare Trennung der Reaktionstypen ist  nicht immer möglich. Es kann zu Mischformen kommen.

Allergie Typ 1

Der am häufigsten vorkommende Allergie-Typ sind Typ-1-Allergien. Dazu zählen etwa Pollen-, Tierhaar- oder Hausstaubmilben-Allergien. Die Typ-1-Allergie nennt man auch Soforttyp-Allergie, weil die Symptome unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Allergen auftreten. Bei diesem Reaktionstyp lagern sich sogenannte IgE-Antikörper an Zellen des angeborenen Immunsystems und führen zur Freisetzung von pro-entzündlichen Stoffen wie Histamin und Serotonin. Es kommt recht schnell zu einer lokalen allergischen Sofortreaktion u. a. mit Jucken, schniefender Nase, Hautausschlag oder Kratzen im Hals. Allergiker vom Soforttyp wissen meist sofort, wenn sich ihr Allergen auch nur ansatzweise in ihrer Nähe befindet.

Allergie Typ 2

Bei der Typ-2-Allergie reagieren andere Antikörper, die IgG- und IgM-Antikörper mit körpereigenen Zellen oder mit Blutbestandteilen. Die Zellen werden anschließend zerstört. Diese Reaktion kann bei der Infusion falscher Blutgruppen oder Organ-Transplantationen auftreten oder durch Medikamente ausgelöst werden, die an Zelloberflächen von Blutzellen wirken, beispielsweise durch Penicilline.

Allergie Typ 3

Bei der Typ-3-Allergie bildet das Immunsystem sogenannte Immunkomplexe zwischen dem Antigen und den passenden Antikörpern aus, die sich dann ablagern. Hier spielen Antikörper vom IgG-Typ eine Rolle. Der Versuch einer Zerstörung  durch das Immunsystem führt zur örtlichen Gewebeschädigung. Besonders häufig kommen sogenannte “versteckte Nahrungsmittelallergien” vor. Im Vergleich zu Nahrungsmittelallergien vom Soforttyp treten Beschwerden bei der Typ III Nahrungsmittelallergie dann zeitverzögert auf. Unklare Hautekzeme, Reizdarm, Müdigkeit oder gar depressive Verstimmung ärgern Betroffene, oftmals erst 2-3 Tage nach dem Verzehr eines bestimmten Lebensmittels. Das macht eine Diagnose knifflig. Zudem spielen bei der Typ III Nahrungsmittelallergie sogenannte “Kreuzallergene” eine große Rolle. Was bedeutet das? Der Allergologe misst beispielsweise hohe Titer an IgG Antikörper gegen Ananas. Der Patient gibt allerdings an, überhaupt keine Ananas zu mögen. Vor 2 Tagen hat er beim Asiaten aber einen großen Teller Avocado-Scheiben gegessen. Allergene, die eine ähnliche molekulare Struktur aufweisen, so wie eben bei Avocado und Ananas, können dann beide eine allergische Reaktion auslösen. Mehr zum Thema Kreuzallergien erklären wir Ihnen im Beitrag “Kreuzallergien: mit Apfel, Birne und Sellerie übers Kreuz”.

Allergie Typ 4

Die Typ-4-Allergie nennt man auch Spättyp-Allergie, denn die Symptome bilden sich frühestens zwei Tage nach Kontakt mit dem Allergen. Die  T-Lymphozyten, die das Antigen als “fremd” erachten, locken zunächst einmal weitere Immun- und Fresszellen an, die sich an der Abwehrreaktion beteiligen. IgE- oder andere Antikörper haben bei der Allergie vom Typ 4 keine Bedeutung. Das Zusammentrommeln der richtigen Immunzellen benötigt etwas Zeit. Die allergische Reaktion tritt nach dem Kontakt mit dem Allergen deshalb verzögert auf. Die Folge ist eine lokale Entzündung am Kontaktort und eine Freisetzung von Entzündungsstoffen die auch fernab von der Initialstelle Symptome verursachen können. Die Symptomatik bei Typ 4-Allergien hängt vom Allergen und von der Dauer und Art des Kontakts ab. Ein typisches Beispiel ist das allergische Kontakt-Ekzem bei einer Nickel-Allergie. Aber andere Kontaktallergien gegen Reinigungsmittel oder Kosmetika sind typisch.

Unser andrino Tipp bei Allergien

Denken Sie immer daran, eine Allergie ist keine schicksalhafte Erkrankung. Biologische Mediziner sehen darin eher das Resultat frustraner Heilungsversuche der körpereigenen Regulationssysteme, die schlussendlich dann in einer Regulationsstarre münden. Letztendlich geht jeder Allergie ein geschwächtes Immunsystem voraus. Der Darm und die Darmbakterien spielen bei der Allergie-Entstehung eine Schlüsselrolle. Die gängige Allergie-Behandlung mit Nasenspray, Augentropfen oder Cortisol ist rein symptomatisch und bekämpft lediglich die Folgen der Entzündung. Eine Allergie kann aber nachhaltig gestoppt werden, wenn das Immunsystem wieder in seine Balance gebracht wird. Dazu gehört die Suche nach den wahren Allergie-Ursachen sowie die Mitbehandlung der Folgen einer chronischen Entzündung.

Die Biologische Medizin behandelt Allergien ganzheitlich mit:

  • Sanierung des Grundgewebes durch Entschlackung und Entgiftung
  • Darmsanierung und Ernährungsoptimierung
  • Auffüllen von Nährstoffdefiziten
  • Stimulation des Immunsystems durch sogenannte “Umstimmungstherapien

Die komplette ganzheitliche Behandlung der Biologischen Medizin haben wir für Sie in folgendem Beitrag zusammengefasst: “Allergie-Behandlung: Symptomatisch oder ursächlich?”.

Folgende Literatur diente als Grundlage für diesen Artikel und kann Ihnen tiefgründigeres Wissen verleihen:

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